G.F.P.   Karnivoren   Forum   Veranstaltungen   Suche     

Naturschutz und Ökologie

Warum wachsen die meisten Karnivoren an nassen Standorten?

Feuchtgebiete enthalten häufig nur wenige für Pflanzen verfügbare Nährstoffe. Nichtkarnivore Pflanzen haben es in diesen Gebieten oft schwer und wachsen meist nur spärlich. Fleischfressende Pflanzen gingen einen anderen Weg, indem sie sich die von ihnen benötigten Nährstoffe aus anderer Quelle zu beschaffen begannen und so eine Überlebensmöglichkeit fanden. In nährstoffreichen Gebieten fällt dieser Überlebensvorteil weg. Durch ihre Anpassung an nährstoffarme Lebensräume haben fleischfressende Pflanzen jedoch eine Toleranz hoher Nährstoffkonzentrationen verloren, sie brauchten sie einfach nicht mehr. Daher sind die meisten empfindlich gegen Dünger oder Schädlinge.

Warum sind die Karnivorenstandorte so nährstoffarm?

In Feuchtgebieten, in denen kein schneller Wasseraustausch durch Flüsse stattfindet, sammeln sich Stoffe aus der Zersetzung abgestorbenen Pflanzenmaterials im Wasser an. Manche dieser Verbindungen, beispielsweise Tannine und Gerbsäuren, reagieren chemisch sauer und erhöhen damit den Säuregehalt des Wassers. Bei zunehmender Ansäuerung des Wassers geschehen dann hauptsächlich zwei Dinge:

Zuerst wird die Tätigkeit vieler Mikroorganismen gestoppt, die an der Zersetzung des Pflanzenmaterials beteiligt sind. Damit wird der Zersetzungsvorgang stark verlangsamt und somit läßt auch die Nährstoff-Freisetzung aus dem zerfallenden Material stark nach.

Weiterhin wird es bei saurem Boden für die Pflanzen zunehmend schwieriger, bestimmte Nährstoffe aufzunehmen (aus diesem Grund gibt es auch spezielle Dünger für Pflanzen, die in sauren Böden wachsen). Beide Faktoren - verlangsamte Zersetzung und erschwerte Nährstoffaufnahme in saurem Milieu - sind die Hauptgründe für die Nährstoffarmut vieler Feuchtgebiete. Moorwasser ist manchmal so reich an Tanninen, Humus- und Gerbsäuren, daß es dunkler aussieht als Tee, den man lange hat ziehen lassen. Aber trotzdem ist es sehr sauber, salzarm und geruchlos.

Warum sind Karnivoren vom Aussterben bedroht?


In vielen Gebieten der Erde sind die Feuchtgebiete schon fast verschwunden. Man schätzt, daß in den USA nur noch drei bis fünf Prozent der Habitate fleischfressender Pflanzen erhalten geblieben sind, woraus sich ihre starke Bedrohung ergibt. Es werden zwar zunehmend Anstrengungen zum Schutz der restlichen Gebiete unternommen, doch selbst bei großem Erfolg werden nur wenige übrigbleiben. In den USA beispielsweise erscheint es fast schon als Ironie, daß Brände grundsätzlich als schädlich und gefährlich angesehen werden. Dabei gibt es Gebiete, die regelmäßige Brände ertragen oder sogar zu einem funktionierenden Gleichgewicht benötigen. Brandschutz läßt dort viele Bereiche mit dichter, "unnatürlicher" Vegetation überwuchern, die angestammte konkurrenzschwache Arten wie fleischfressende Pflanzen verdrängt. Kommt es zudem dann doch einmal zu einem Brand, sind die Auswirkungen aufgrund der großen Biomasse verheerend, da die Intensität eines ausgebrochenen Feuers dann derart hoch ist, dass auch Pflanzen, die auf regelmäßige Brände angewiesen sind, diese Hitze nicht überleben können.

Aber auch in unseren Breiten sind die Dinge nicht besser. Der ökologische Wert von Feuchtgebieten wird immer noch nicht hoch genug eingeschätzt und so werden besonders in Osteuropa noch immer große Gebiete trockengelegt oder industrieller Nutzung (beispielsweise Torfabbau) zugeführt. Gerade für den Erhalt des Grundwasserspiegels und als Auffanggebiete für Regenmengen zur Verhinderung großer Überschwemmungen sind diese Gebiete unentbehrlich.

Einige der spektakulärsten Arten wie die Nepenthes leben in den Urwäldern Malaysias und angrenzender Inseln, wo sie durch Brandrodung und Abholzung der Wälder stark bedroht sind. Einige Arten sind bereits ausgerottet. Das gleiche könnte dem erst vor wenigen Jahren in Afrika entdeckten Triphyophyllum geschehen, noch bevor die Pflanze überhaupt erst richtig bekannt ist.

Wo kann man Karnivoren in der freien Natur beobachten?


In Mitteleuropa finden Sie in Moorgebieten die meisten Karnivoren. Da diese Standorte äußerst empfindlich auf Störungen reagieren - und Fußstapfen von "Naturfreunden" sind heftige Störungen - werden wir hier keine einzelnen Standorte verraten. Wir glauben, daß "Verzicht" ein Teil des Naturschutzes ist. In diesem Fall der Verzicht auf einen Besuch im Naturschutzgebiet. Fast alle botanischen Gärten in Deutschland haben eine kleine Auswahl von Karnivoren. Besonders zu empfehlen ist die Sammlung im Palmengarten Frankfurt.

Darf man Karnivoren in der Natur sammeln?

Nein!

Sollten Sie einmal Karnivoren in der Natur finden, halten Sie sich an den Grundsatz: Nimm nichts mit außer Fotos, hinterlasse nichts außer Fußspuren (und bestenfalls nicht mal die).

Es sind teilweise nur noch so wenige Individuen erhalten, daß Feldsammlungen rasch zu ihrer Gefährdung beitragen würden. Natürlich ist es aufregend, diese Pflanzen zu finden. Natürlich hätte man gerne auch welche davon zu Hause. Aber inzwischen gibt es eine große Anzahl verschiedenster Arten im Handel, beginnend bei Gartenmärkten bis hin zu Spezialgärtnereien, so dass die Entnahme aus der Natur durch nichts mehr zu rechtfertigen ist. Lassen Sie die Pflanzen stehen! Erfahrungsgemäß passen sich diese in der Natur gesammelten Pflanzen auch meist nur schlecht an veränderte Umgebungen an, im Gegensatz zu solchen, die man bereits aus den Züchtereien akklimatisiert kaufen kann.

Manchmal hört man auch das Argument, man nehme Pflanzen aus ihrer natürlichen Umgebung mit nach Hause, da der Naturstandort ohnehin bald zerstört würde. Doch bei näherem Hinsehen entpuppt sich die Mehrzahl dieser Begründungen nur als Argument zur Beruhigung des eigenen Gewissens. Außerdem ist Sammlung in der Natur bei geschützten Arten - und alle fleischfressenden Pflanzen Mitteleuropas sind geschützt - strafbar. In den USA werden teilweise (North Carolina) Strafgelder von mehreren tausend Dollar pro gesammelter Pflanze verhängt.

 
Zuletzt geändert am: 08.03.11, 21:18:51 Uhr
Seitenaufbau in: 0.001754 Sekunden

Carnivorous Plant Web Ring
Previous Site Next Site
International Carnivorous Plant Society