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Kulturtipps zur Haltung im Terrarium und im Freien

Gartenkultur von Karnivoren

Eine immer wieder beliebte Frage ist, ob und wie man Karnivoren im Freiland halten kann. Dies ist tatsächlich möglich, aber vom Aufbau her nicht immer ganz so einfach.
Am beliebtesten, weil am einfachsten ist die Methode, Karnivoren im Sommer ins Freiland zu stellen und sie vor den ersten Frösten wieder in die Wohnung zu holen. Dies ist mit wenigen Ausnahmen auch ohne weiteres mögliche, nahezu alle Karnivoren aus den gemäßigten oder subtropischen Klimazonen können so im Freiland gehalten werden. Ausnahmen hierzu bilden viele tropische Arten, da sie auf eine konstant hohe Luftfeuchtigkeit angewiesen sind, jene Arten, die keine direkte Sonne vertragen (dazu zählen die Drosera aus dem tropischen Australien und viele terrestrische Utricularia) sowie die Heliamphora, da die auch in Deutschland zuweilen vorkommenden hohen Sommertemperaturen von dieser Gattung nur sehr schlecht vertragen werden. Ansonsten reicht es für die geeigneten Arten völlig aus, sie im Terrarium oder im Anstau an einem geschützten Platz im Freiland aufzustellen, wobei man darauf achten sollte, dass die Gefahr der Überhitzung möglichst klein gehalten wird, eine leichte Schattierung im Hochsommer ist da ein Muss.

Während es bei der zeitweiligen Freilandkultur im wesentlichen nur darum geht, die Pflanzen in Ihren Behältern möglichst ohne die Gefahr des Umkippens an einem geeigneten Platz aufzustellen, ist die ganzjährigen Freilandkultur von Karnivoren mit etwas Aufwand verbunden.

Aber keine Angst, es ist zuweilen einfacher, als man sich vorstellt. Allerdings eignen sich nicht alle Arten für diese Art der Kultur. Hinweise, welche Arten hierfür geeignet sind, findet man in den FaQ, Punkt 15.

Das wichtigste Voraussetzung für die erfolgreiche Anlage eines Karnivorenbeets im Garten ist die Auswahl eines geeigneten Platzes dafür, er sollte nach Süden ausgerichtet sein, sehr viel Sonne erhalten, etwas geschützt vor den Witterungsbedingungen liegen und keine Laubbäume in der Nähe haben. Letztere sorgen durch ihren jährlichen Laubabwurf für einen unerwünschten Eintrag von Nährstoffen in das Karnivorenbeet. Es sollte außerdem darauf geachtet werden, dass in den Kulturraum keine Gartenerde eingetragen werden kann. Des Weiteren sollte man bei der Bepflanzung darauf achten, dass hohe Arten nach hinten, niedrige nach vorne gepflanzt werden, damit alle Pflanzen genug Licht bekommen. Als Vorderseite wird dabei die der Sonne zugewandte Seite angesehen.
Da hier davon ausgegangen wird, dass die meisten Leser nur begrenzten Platz und Geldmittel zur Verfügung haben, wird hier nicht weiter auf die Kombination Gartenteich/Moorbeet eingegangen; diese Lösung ist in oben erwähnten Buch zu finden.

Die einfachste und billigste Lösung ist die Kübelkultur der Pflanzen im Freiland. Die verwendeten Gefäße sollten frostsicher, also eine Höhe und einen Durchmesser von 40 cm nicht unterschreiten, wasserdicht und wasserneutral sein, das meint keine schädlichen Stoffe wie Kalk ins Wasser abgeben können. Dadurch scheiden Betonkübel aus, es sei denn sie werden aufwendig versiegelt. Am verbreitesten ist die Verwendung von Mörtelkübeln aus Polyethylen, die alle geforderten Eigenschaften besitzen, es eignen sich aber auch Planschbecken, alte emaillierte Badewannen oder jedes andere Gefäß mit den geforderten Eigenschaften. Nur zu klein sollten diese nicht sein, schon aus dem Grund, weil man ja zumeist mehr als 1 - 2 Pflanzen unterbringen will. Diese Gefäße werden mit ungedüngtem Weißtorf befüllt, in ungefähr 2/3 der Höhe wird ein Überlauf angebracht, damit bei Regen die Pflanzen nicht ertrinken, und können dann bepflanzt werden.
Leider hat diese oberirdische Lösung 2 Nachteile, zum einen kann der Kübel in strengen Wintern oder in den Mittelgebirgen schon mal komplett durchfrieren, was keine Karnivore verträgt, zum anderen sehen diese schwarzen, runden oder rechteckigen Kübel nicht gerade dekorativ aus, gleich was sie enthalten.

Etwas aufwendiger ist die Methode, die Gefäße einzugraben, wobei der Überlauf nicht verstopft werden darf. Kann oder will man den Behälter nicht komplett eingraben, so genügt es, ihn etwa 20-30 cm in die Erde einzulassen und den Rest mit Pflanzsteinen, Bohlen etc. und einer zwischen Behälter und Verkleidung eingebrachten Kiesschicht ( Drainage!) oberirdisch zu verblenden und vor Frost zu schützen, die Verkleidung muss dazu kaum mehr als 20 cm dick sein.
Leider hat diese einfachste Möglichkeit den Nachteil, dass nur begrenzt Wasser gespeichert werden kann. An heißen Tagen muss daher permanent nachgegossen werden, was aber nicht immer den gewünschten Erfolg hat, da es zuweilen vorkommt, dass das Gießwasser den Torfkörper nicht komplett durchdringt, sondern durch den Überlauf wieder hinausläuft. Um einen stets ausreichenden Wasservorrat zu haben, sollte man daher versteckte Wasserspeicher einbringen, die darüber hinaus den Vorteil haben, dass sie wesentliche Mengen an Torf einsparen. Hierzu werden am Boden des Gefäßes geeignete kleine Behälter, z.B. halbierte Kanister, kleine Kunststoffeimer etc, aufgestellt. Diese werden mit der Öffnung nach unten aufgestellt und oben mit einigen wenigen Löcher versehen, damit die Luft entweichen kann. Die Zwischenräume werden mit gut angefeuchtetem Torf aufgefüllt, der darüber hinaus gut angedrückt werden muss. Das hat zwei Gründe: Zum einen verhindert dies das spätere Absacken des Substrats, zum anderen ist nur so der Wassertransport über die Kapillarkräfte an die Oberfläche gewährleistet. Es kann an der Seite noch ein Schlauch eingebracht werden, der bis zum Boden reicht. Dieser dient dann als Kontrollschacht und als bequemste Lösung des Nachfüllens. Auch bei dieser Kombination muss ein Überlauf angebracht werden, um Tauchbäder zu vermeiden.

Nun ist es schwierig, in einem kleinen Behälter eine ausreichende Anzahl an Wasserspeichern einzubringen; in diesem Fall bietet es sich an, gleich den ganzen Behälter als Wasserspeicher zu nutzen und die Karnivoren sozusagen schwimmend zu kultivieren. Dazu stattet man den Behälter wieder wie gehabt in ca. 3/4 der Höhe mit einem Überlauf aus. Als Träger für die Substratschicht dient eine handelsübliche Hartschaumplatte, die aber geschlossene Poren aufweisen sollte, offenporige Schaumstoffe wie Styropor saugen sich mit der Zeit voll und verlieren dabei ihre Schwimmfähigkeit. Diese Platte wird passend zurechtgeschnitten, wobei man darauf achten muss, dass sie sich nicht später im Gefäß verkanten kann, sie muss frei auf dem Wasserspiegel schwimmen können und entsprechend dem Wasserstand steigen respektive sinken können. In diese Platte schneidet man nun eine Anzahl Löcher, etwa 2-3 cm im Durchmesser, die man mit Dochten aus Torfmoos (Spaghnum) füllt, diese sind später für den Wassertransport zuständig. Bei einer Fläche bis zu einem Quadratmeter sind 5-6 Dochte völlig ausreichend. Auf diese Platte bringt man nun das Substrat auf und setzt die Pflanzen ein, man sollte vorher allerdings die Kanten mit Latten erhöhen, um ein Wegsacken des Substrats in den Behälter zu vermeiden. An dieser Stelle ein Wort zur Substratstärke für die Karnivoren: Da die meisten Karnivoren nicht tiefer als 20 cm wurzeln, muss die eigentliche Substratschicht auch nicht viel stärker sein. In geeigneter Weise modifiziert  kann man diese Flöße auch freischwimmend auf einen Teich bringen, was eine sehr reizvolle Möglichkeit darstellt. Wer aus ökologischen Gründen keinen Torf verwenden möchte, für den ist vielleicht folgende Variante interessant: Auf eine Sandschicht wird eine etwa 5-10 cm starke Schicht Sphagnum (Torfmoos) aufgebracht, die Pflanzen werden dann darin eingebettet. Auch hier ist die Wasserversorgung sehr wichtig. An dieser Stelle ein Wort zum Naturschutz: Auch wenn Torf ein wertvolles Naturprodukt ist, zu dessen Gewinnung ein ökologisch sehr wertvolles Biotop ge- oder zerstört werden muss, so spielen die von den Karnivorenliebhabern benötigten Mengen so gut wie keine Rolle. Der weitaus größte Teil wird zur Produktion von Blumenerde für Großgärtnereien und mit zweifelhaften Erfolgen zur Bodenverbesserung in Privatgärten eingesetzt. Und im Gegensatz zu Gärtnereien und Gartenbesitzern haben Karnivorenliebhaber keine sinnvollen Alternativen bei der Substratauswahl. Soweit bekannt, wurden zwar diverse Ausweichsubstrate wie Baumrindenschrot und Kokosfasern getestet, aber bisher ohne Erfolg. Da der Markt für Torfersatzprodukte für die Kultur von Karnivoren bei seiner Größe auch völlig uninteressant für die Hersteller von Substraten ist, wird wohl auf Torf bei der Karnivorenkultur noch lange Zeit nicht verzichtet werden können.

Weiter geht es mit dem Thema Pflanzenschutz. Im Freiland sind die Karnivoren den gleichen Bedingungen wie in freier Wildbahn ausgesetzt, so dass in einem gesunden Umfeld weder Schädlinge noch Pflanzenkrankheiten eine große Rolle spielen. Sollten diese trotzdem einmal auftreten, gibt es diverse biologische Methoden, mit ihnen fertig zuwerden. Erst bei sehr starkem Befall sollte man den Einsatz der chemischen Keule in Betracht ziehen. Im wesentlichen gilt hier das gleiche wie für die Terrarienkultur. Zum Problem werden jedoch oft Vögel (vor allem Amseln) und Schnecken. Letztere fühlen sich in Moorbeete äußerst wohl und richten oft große Schäden an den Pflanzen an, ehe man hier an Schneckenkorn denkt, sollte man auch hier wieder biologische Methoden wie die Bierfalle, Schneckenringe oder gezielte Anlockung von Schneckenfressern, wie Igel, in Betracht ziehen. Sonstige Pflanzenfresser wie z.B. Kaninchen sind üblicherweise kein Problem, die meisten Karnivoren scheinen ihnen durch ihren Gehalt an Bitterstoffen nicht zu schmecken und werden verschont. Das größte Problem stellen jedoch Vögel, vor allem Amseln, dar. Sie betrachten ein Moorbeet meist als ideales Areal zum Wühlen und als Materiallager für den Nestbau. Vor allem Sonnentaue und Fettkräuter sind dadurch bedroht. Zum einen, weil sie leicht umgepflügt werden, zum anderen, weil die Tiere sie gerne als Nistmaterial verwenden. Man darf sich nicht über die Ausmaße täuschen. Eine Amsel ist ohne weiteres in der Lage, binnen einer Stunde 2 qm zu durchwühlen. Außerdem bekommen die Tiere schnell mit, dass sich in den Schläuchen der Sarracenien Insekten zum bequemen Absammeln befinden, wobei sie die Pflanzen oft regelrecht zerfetzen. Abhilfe schafft hier nur ein Vogelschutz, wobei sich Maschendraht mit kleinen Maschen bewährt hat. Netze sind nicht zu empfehlen, weil sich die Vögel oft darin verfangen, sehr zur Freude der ansässigen Katzen.

Ein weiteres Problem sind Hagelschauer und Barfröste im Winter. Während erstere ja zumeist selten sind und die Pflanzen mit einer einfachen Abdeckung dagegen geschützt werden können, kommen letztere häufiger vor. Unter Barfrost versteht man länger andauernden Frost ohne schützende Schneedecke. Hierbei ist weniger die Temperatur ein Problem, da die meisten winterharten Arten dagegen ohnehin geschützt sind. Die Probleme liegen vielmehr darin, dass der gefrierende Boden die Pflanzen auswurzeln kann. Ist das Rhizom z.B. der Sarracenien einmal gefroren, kann kaum noch etwas die Pflanze retten. Außerdem bekommen die Pflanzen massive Probleme mit der Wasserversorgung, da durch die herrschenden Bedingungen sowohl dem Boden als auch den Pflanzen jede Menge Wasser entzogen wird, aber zugleich kein Wasser aufgenommen werden kann, da es größtenteils als Eis gebunden vorliegt. Die Pflanzen erfrieren also weniger als dass sie vertrocknen.
Schützen kann man die Pflanzen dagegen nur, wenn man sie mit Folie, einem kalten Kasten oder Nadelbaumzweigen abdeckt. Eine elegante Methode, um auch etwas frostsensible Pflanzen wie S. minor, S. psittacina oder D. californica zu schützen, ist das gezielte Eineisen der Pflanzen, dazu werden sie bewusst unter Wasser gesetzt, das man dann gefrieren lässt. Das Eis schützt nicht nur vor der Austrocknung, sondern auch vor zu niedrigen Temperaturen, da es als schlechter Wärmeleiter nicht wesentlich unter 0° abkühlt, solange es dick genug ist.
Abschließend bleibt zu sagen, dass die Gartenkultur von Karnivoren zwar etwas aufwendiger ist, bei den winterharten Arten jedoch die schönsten Erfolge mit sich bringt. Wer hat sich nicht schon mal über umkippende Sarracenienschläuche geärgert. Auch die Möglichkeit, neben einem einfachen Kulturraum für Karnivoren ein komplettes Moorbiotop nachbauen zu können, sofern man den Platz hat, ist beeindruckend.


Terrariumkultur von Karnivoren

Die Terrarienkultur ist bei Karnivoren die wohl mit Abstand am weitesten verbreitete und populärste Kulturform bei Karnivorenliebhabern. Dieser Umstand hat mehrere Ursachen.
Zum einen ist ein Terrarium schnell und ohne großen finanziellen oder technischen Aufwand zu realisieren und es findet auch in der kleinsten Wohnung Platz. Auch läßt sich eine Vielfalt von Arten in einem Terrarium kultivieren.

Es  stellt sich erst einmal die Frage, was ist ein Terrarium ? Was ein Aquarium ist, das wissen die meisten: Ein Stück eingeglaste Unterwasserwelt. Bei einem Terrarium verhält es sich ähnlich; im Wortsinne meint es ein Stück eingeglastes Terrain oder Landschaft mit entsprechenden Klima.

Aber warum braucht man ein Terrarium eigentlich ? Man kann doch auch die meisten Zimmerpflanzen auch ohne weiteres auf der Fensterbank halten ?!?

Die Antwort liegt in den Lebensräumen der Karnivoren und den daraus resultierenden Ansprüchen der Pflanzen. Die meisten Karnivoren leben in den Feuchtgebieten der Erde und sind daher auf gleichmäßig hohe Luftfeuchtigkeit angewiesen, die Mindestansprüche liegen bei 60-70 % rel. Luftfeuchtigkeit. Wenn man bedenkt, das in den meisten zentral geheizten Wohnräumen die Luftfeuchtigkeit bei etwa 50% im Sommer und im Winter bei teilweise 20-30% liegt, wird schnell klar, in welcher Situation sich die Pflanzen auf der Fensterbank befinden: Die sehr niedrige Luftfeuchtigkeit in Verbindung mit dem kaum vorhandenen Schutz der Pflanzen vor Austrocknung läßt sie regelrecht verdursten, da sie mit ihrem meist nur spärlichen Wurzelsystem nicht so viel Wasser aufnehmen können, wie sie durch Verdunstung verlieren. Da nützt auch die Bewässerung im Anstau nicht viel.

Unsere Zimmerpflanzen können die trockene Heizungsluft wesentlich besser verkraften als die Karnivoren. Ein Terrarium dient  im wesentlichen der Schaffung und Aufrechterhaltung einer gleichmäßig hohen Luftfeuchtigkeit und eines gleichmäßigen Klimas. Natürlich kann man auch ein ganzen Wohnzimmer ohne Weiteres auf 70 - 90 % rel. Luftfeuchtigkeit bringen, aber abgesehen davon, das kaum jemand diese Verhältnisse als angenehm empfindet, schadet ein solches Raumklima der Gesundheit der Bewohner und der Bausubstanz durch Schimmelbildung beträchtlich.

Auch wenn das eigene Gewächshaus wohl der Traum vieler Karnivorenfreunde ist, sollte man die Terrariumkultur nicht als Notbehelf ansehen, es ist eine eigenständige Kulturform mit ihren eigenen Reizen und Möglichkeiten, die für viele die Welt der Karnivoren überhaupt erst erlebbar machen.

Anlegen eines Terrariums

a) Gefäße
Ein Terrarium kann in jedem Behälter angelegt werden, der farblos, lichtdurchlässig und wasserdicht ist und außerdem keine schädliche Stoffe abgeben kann. Der Behälter sollte jedoch immer der Größe der Pflanzen angepaßt sein. Nephentes im Einmachglas oder Zwergsonnentaue in der kleinen Einwegflasche sind eine zwar ungewöhnliche, aber durchaus nette  Möglichkeit, Karnivoren zu kultivieren. Da man aber meist mehrere Arten unterbringen will, verwendet man am besten ein Aquarium als Behälter. Diese gibt es in jeder Größe und Ausführung. Da man für ein Terrarium nicht die aufwendige Ausrüstung wie für die Aquaristik benötigt, gehen sie auch meist nicht so ins Geld. Es muss noch nicht mal neu sein, ein einfaches Gebrauchtes tut es genauso.

b)  Einrichtung
Die einfachste, wenn auch häßlichste Methode, ein Terrarium einzurichten, besteht darin,  1-2 cm Wasser in ein Aquarium zu füllen und die Pflanzen so wie sie gekauft wurden hinein zu stellen. Diese Methode sieht nicht gut aus, hat jedoch auch Vorteile: Man braucht kaum Rücksicht auf die unterschiedliche Wüchsigkeit der Pflanzen nehmen, neue Pflanzen kann man ohne Probleme einbringen, und Jungpflanzen und/oder Ableger sind fertig eingetopft, was für einen späteren Tausch oder Verkauf ungemein praktisch ist. Aus diesem Grund eignet sich diese Art der Terrarienkultur hervorragend zu Anzuchtzwecken.

Etwas aufwendiger wird es, wenn man die Pflanzen direkt in das Terrarium einpflanzen will.
Leider kann man sie dabei nicht in den Töpfen belassen, da sonst nicht genügend Wasser angezogen wird. Man braucht also eine geeignete Unterlage, und die sieht so aus:
Als Drainage und Wasserspeicher wird  eine 5-10 cm dicke Schicht aus Blähton, Tongranulaten wie Seramis oder grobem Kies eingefüllt. Was man verwendet, ist an sich egal, es muss nur Wasser speichern können und vor allem darf es weder Kalk noch andere Salze (Dünger!!) ins Wasser abgeben. Man muß daran denken, daß die meisten Substrate für Karnivoren auf Weißtorf basieren und das eingefüllte Wasser schnell auf einen pH-Wert von etwa 4-5 bringen, was in etwa Essig entspricht. Ist das Material dann nicht säurestabil, gibt es rasch schädliche Salze ab, die den Pflanzen schaden. Man kann, um Material zu sparen und mehr Wasser zu speichern, halbierte Kunststoffbecher oder ähnliches einbringen. Das Terrarium muß dann seltener gegossen werden.

Bei Verwendung gröberen Substrats für die Drainageschicht arbeitet man besser noch einige Dochte aus anorganischen, saugfähigen Materials wie Sand oder ähnlichem ein, um den Wassertransport zum eigentlichen Substrat zu gewährleisten. Anorganisch deshalb, weil organisches Material wie Moos schnell verrottet und damit seine Saugfähigkeit verliert, und die Verwesungsprodukte den Pflanzen schaden können.

Nachdem man die gut ausgewaschene Drainageschicht eingefüllt hat, trägt man nun eine mindestens 10, besser 15 cm starke Schicht des eigentlichen Pflanzensubstrats ein. Mehr wird zumeist nicht gebraucht, da die wenigsten Karnivoren tiefer als 20 cm wurzeln. Um das spätere Gießen zu erleichtern, sollte man jetzt in einer Ecke entweder ein Gießloch freilassen, das mit groben Blähton gefüllt wird, oder einen Schlauch mit passendem Trichter einsetzten, über den man das später Wasser nachfüllt. Dass dazu das Becken völlig plan stehen muss, ist wohl selbstverständlich.

Das Substrat sollte schon gut angefeuchtet sein, um eine gute Wasseraufnahme zu gewährleisten. Ebenso wichtig ist eine ausreichende Verdichtung des Substrats. Zum einen verhindert dies das spätere Absacken, was die Wurzeln der Pflanzen freilegen könnte, zum anderen wird nur so der Wassertransport aus der Drainage garantiert. Diese erfolgt allein durch die Kapillarkräfte, und dazu müssen die feinen Kanäle im Boden durchgehend sein. Aus diesem Grund  bringt man am besten schon bei der Befüllung die gewünschten Pflanzen ein. Beim späteren Einsetzen ist es sehr schwer, eine lückenlose Verbindung der Wurzelballen mit dem Substrat zu erreichen Auch sind die gestalterischen Möglichkeiten jetzt am größten.

Je noch Größe des Terrariums lassen sich durch verschiedenen Substrathöhen unterschiedlich feuchte Zonen im Terrarium gestalten, auch sind kleine Tümpel machbar, in denen aquatische Utricularien gedeihen. Auch Genlisea ist so im Becken kultivierbar. Auf  höhergelegenen und damit trockeneren Lagen kann man Epiphyten ansiedeln. Den gestalterischen Möglichkeiten wird eigentlich nur durch das Geschick und  dem Geldbeutel des Kultivators sowie den möglichen Artenkombinationen Grenzen gesetzt.

Die Bewässerung erfolgt am besten durch das oben beschriebene Gießloch. Die Wasseraufnahme erfolgt dann von unten, was eine gleichmäßig hohe Bodenfeuchtigkeit zur Folge hat, dies ist für viele Pflanzen von Vorteil. Die  Bewässerung von oben ist ungünstig. Pflanzen können ausgeschwemmt oder durch aufgewirbeltes Substrat verschüttet werden. Außerdem versickert das Wasser nur langsam, und es entsteht schädliche Staunässe.

Auch die Wasserqualität spielt eine wichtige Rolle in der erfolgreichen Terrarienkultur. Ein Terrarium ist ein abflussloses System, d.h. alles, was an Salzen mit dem Gießwasser  eingebracht wird, verbleibt auch darin und reichert sich mit der Zeit dort an. Deshalb sollte man zum Gießen nur Regenwasser oder vollentsalztes (destilliertes) Wasser verwenden.

Die Pflege eines Terrariums beschränkt sich zumeist auf das Gießen und der Entfernung abgestorbener Pflanzenteile zur Schimmelprophylaxe, sehr selten wird das Austauschen des Substrats nötig. Die muß geschehen, wenn entweder das Substrat soweit verrottet ist, das es die Pflanzen negativ beeinflußt oder bei der Verwendung von ungeeignetem Wasser. In der Regel tritt der erste Fall nur etwa alle 2-3 Jahre ein, im zweiten Fall hängt es von der Wasserqualität und der absolut verwendeten Wassermenge ab. Im schlimmsten Fall kann man alle 6 Monate das Substrat austauschen.

Leider befallen jegliche Art von Schädlingen und Pflanzenkrankheiten im begrenzten Raum eines Terrariums schnell alle vorhandenen Pflanzen. Man sollte daher peinlich auf die kleinsten Anzeichen achten, um einen Totalverlust zu vermeiden. Gegebenenfalls muß man entsprechende Mittel einsetzten. Vorsorge ist jedoch immer besser als heilen, also sollte man die Bedingungen in einem Terrarium so steuern, das weder Krankheiten noch Schädlinge eine große Chance haben.

Eine gute Belüftung wirkt gegen Schimmel und Pflanzen, die ihre evtl. notwendige Ruhepause einlegen durften, geben Blattläusen und Co fast keine Chance.


Klimatische Bedingungen im Terrarium

In einem einfachen, offenen Terrarium herrscht eine Luftfeuchtigkeit von etwa 60 % und die normale Zimmertemperatur, und das rund um die Uhr. Diese Bedingungen eignen sich für alle Subtropischen Arten, die im Winter eine nur kühle Ruhephase bei ca. 15°C mit etwas weniger Wasser benötigen. Zur Überwinterung stellt man das ganze Becken an einen kühlen, aber immer noch hellen Ort und halbiert die Wasserzugabe. Das Spektrum der hierzu geeigneten Arten ist groß, eine Aufzählung würde allerdings den Rahmen des Textes sprengen. Am besten informiert man sich in der einschlägigen Fachliteratur, welche Arten in Betracht kommen.

Tropische Pflanzen erwarten eine Luftfeuchtigkeit von etwa 80-90 %, eine Temperatur von durchweg um die 20 - 25 °C und ganzjährig eine Beleuchtungsdauer von etwa 12 h. Hier kommt man weder um Kunstlicht noch um eine Abdeckung herum. Als Lichtquelle eigen sich Natriumdampf-Hochdrucklampen oder eine entsprechende Anzahl von Leuchtröhren. Nebeneffekt des Kunstlichts ist die Aufheizung des geschlossenen Terrariums, so das sich bei guter Isolierung meist eine zusätzliche Heizung erübrigt. Die Behälter dürfen dann allerdings keine direkte Sonne mehr abbekommen, da sich durch den Treibhauseffekt die Temperatur sonst viel zu hoch steigt.

Ein Punkt, der bei der Bepflanzung eines Terrariums oft übersehen wird, ist die richtige Artenauswahl. Aber gerade sie entscheidet oft über Erfolg oder Mißerfolg in der Terrarienkultur. Karnivore Pflanzen findet man in allen Klimazonen der Erde, mit Ausnahme der nördlichen und südlichen Polarzone und der Wüsten. Es ist eine Binsenweisheit, das Pflanzen, die aus unterschiedlichen Klimazonen stammen, auch unterschiedliche Anforderungen an die Kulturbedingungen haben. Aber gerade Binsenweisheiten werden oft übersehen.

Wichtig ist, das man sich vor dem Einpflanzen darüber Gedanken macht, ob die Arten auch zusammenpassen oder ob man nicht lieber statt einem großen mehrere kleine Terrarien anlegt, um den Bedürfnissen der Pflanzen eher Rechnung tragen zu können. Dazu ist es notwendig, das man sich vor der Anschaffung neuer Pflanzen über Ihre Bedürfnisse informiert und seine Sammlung nach den gegebenen Möglichkeiten erweitert. Indem manche Sammler ihre Sammlung nach Namen, Aussehen oder Verfügbarkeit erweitern, schaffen sie sich selbst eine gute Frustquelle und erleiden vermeidbare Fehlschläge. Das spart nicht nur Geld, sondern auch jede Menge Nerven.

Es ist naturgemäß auf einem so kleinen Raum wie einem Terrarium unmöglich, verschiedene Klimazonen zu schaffen. Es ist daher grundlegend, in einem Terrarium nur Pflanzen mit gleichen oder sehr ähnlichen Ansprüchen an Licht, Luft, Wasser und Temperaturen zu setzen. Auch sollten die Ruheperioden der Pflanzen beachtet werden. Setzt man eine Sarracenia purpurea, die im Winter unbedingt eine Kälteperiode benötigt mit einer tropischen Nephentes zusammen, die eigentlich ganzjährig Temperaturen von mindestens 20°C erwartet, hat man die Wahl, die eine Art entweder tot zu heizen oder die andere erfrieren zu lassen. Auch Kombinationen von Arten, die eine trockene Sommerruhe brauchen, wie fast alle Knollendrosera und einige Pygmaedrosera, mit Arten, die es ganzjährig feucht brauchen, sind kaum erfolgreich. Es gibt aber noch weitere Einschränkungen in der Artenauswahl.

Der Größe der erwachsenen Pflanzen sollte das Terrariums angepaßt sein. Sarracenien wie Nephentes sind aufgrund ihrer Größe kaum in einem kleinen Terrarium unterzubringen, außer als Jungpflanzen. Sie werden aber mehr oder weniger schnell größer, was zum Problem werden kann.
Erfahrungsgemäß sollte man nicht mehr als 3 dieser Arten in ein Terrarium setzten. Als weiteren Besatz werden Arten wie Drosera adelae und viele kleinblättrige Utricularia empfohlen, da sie mit weniger Licht auskommen..

Als Faustregel gilt: niedrige Arten nur mit niedrigen oder halbhohen Arten, hohe Arten nur mit hohen Arten kombinieren. Außerdem die Pflanzendichte der Endgröße der ausgewählten Pflanzen anpassen. Zwergdrosera kombiniert man am besten nur untereinander, wobei die Arten mit Sommerruhe nicht mit den immer feucht zu haltenden Arten kombiniert werden sollten.

Manche Pflanzen, vor allem die "Anfängerarten" wie Drosera capensis, Drosera alicilae, Drosera adelae, Arten aus dem D. sphatulata-Komplex,  mexikanische Pinguiculahybriden und Utricularia neigen in Kultur zum Wuchern, weshalb man sie auch gelegentlich als "Karnivores Unkraut" bezeichnet. Andere Arten wachsen da wesentlich langsamer. Werden stark- und schwachwüchsige Pflanzen in einem Becken kombiniert, kommt es zu einer Verdrängung der schwachwüchsigen Arten zugunsten der starkwüchsigen. Man sollte daher ausgesprochene Wucherer unter der Karnivoren lieber nur miteinander kombinieren oder besser noch einzeln in ein Terrarium setzen. Spätestens wenn  Drosera capensis einmal in Abwesenheit des Kultivators blüht und aussät, wie beim Autor vor 2 Jahren geschehen, weiß man warum. Es dauert Monate, um die hunderte von Jungpflanzen unter Kontrolle zu bringen, bevor sie alles andere überwuchern.
Bei Utricularia besteht zwar außer bei den großblättrigen Arten kaum die Gefahr des Überwucherns, jedoch bilden sie durch Selbstaussaat und Wachstum sehr schnell einen nicht mehr zu trennenden "Utrisalat", wenn mehrere Arten zusammen in ein Terrarium gepflanzt werden. Da zumindest die kleinblättrigen Arten wenig empfindlich auf niedrige Luftfeuchtigkeit reagieren, wird die Anstaukultur in Töpfen empfohlen. Oder man setzt in ein Terrarium nur eine Art.

Viele Karnivoren lassen sich leicht in einem Terrarium kultivieren, aber leider gibt es auch ein paar, die selbst in einem Terrarium nur sehr schwer zu kultivieren sind. Dazu zählen alle Heliamphora außer ihren Hybriden und Hochlandnepenthes, die auf eine nächtliche Temperaturabsenkung angewiesen sind. Die Schwierigkeiten bei der Terrarienkultur dieser Arten und wie man sie meistern kann werden im folgenden dargestellt

Heliamphora erwartet eine hohe Luftfeuchtigkeit bei gleichzeitig niedrigen Temperaturen nicht über 18°C. Auch wenn die Hybriden temperaturunempfindlicher sind, wachsen sie doch wesentlich besser wenn die 18°C nicht überschritten werden. Dazu brauchen sie auch sehr viel Licht, so das man sie nicht einfach in ein ungeheiztes Zimmer in Nordlage verbannen kann. Es gibt mehrere Möglichkeiten, diese Pflanzen trotzdem im Container zu kultivieren.

Die einfachste ist die Unterbringung der Pflanzen in einem durchweg kühlen Raum, etwa einem Keller, unter ausreichend Kunstlicht, wobei fluoreszierende Leuchtröhren besser geeignet sind als Natriumdampf-Hochdrucklampen, da sie kaum Abwärme produzieren.

Eine weitere erprobte Methode ist die Verwendung eines Ultraschallzerstäubers oder eine Berieselungsanlage. Zum einen hält man damit die Luftfeuchtigkeit hoch, zum anderen senkt der Wassernebel durch seine Verdunstung die Lufttemperatur. Zusammen mit der Verwendung eines Substrats mit großer Oberfläche, das für niedrige Bodentemperaturen sorgt, ist das eine fast schon ideale Methode, die Heliamphora zu kultivieren, sofern man ihren Lichtbedürfnissen Rechnung trägt.

Die dritte Möglichkeit, wenn auch die kostenintensivste, ist die Verwendung eines Kyrostaten und einer Kühlschlange. Aber außer in Ausnahmefällen wird sich wohl kaum ein Hobbykultivator ein solches Gerät anschaffen, da es mehrere tausend Euro kostet und die Installation sehr aufwendig ist.

Die Hochlandarten der Nepenthes sind teilweise auf eine kräftige Nachtabsenkung der Temperatur angewiesen, was nicht ganz einfach zu erreichen ist. Man kann die Temperatur kompromissweise tagsüber per Heizung oder Lampe auf 28°C hochtreiben, während man nachts die Temperatur auf 15 °C absinken läßt.

Ob dies den Anforderungen der Hochlandnepenthes entspricht, vermag der Autor nicht zu sagen, da  er selbst nur keine großen Erfahrungen mit Nepenthes besitzt.

Darlingtonia ist in kaum in Terrarienkultur zu halten, da die notwendige niedrige Wurzeltemperatur im Terrarium fast nicht zu erreichen ist. Die gleichen Methoden wie bei Heliamphora sollten hier ebenfalls verwendbar sein, jedoch hält der Autor eine Freilandkultur für besser.

Für die Terrarienkultur leider gänzlich ungeeignet sind die Arten Byblis gigantea, Drosophyllum lousitanicum, Roridula gorgensis und dentata. Auch die Knollendrosera sind aufgrund ihrer Sommerruhe besser in Töpfen aufgehoben.

Aber angesichts der Artenfülle, die man in Terrarienkultur halten kann, sind diese Ausnahmen wohl eher zu vernachlässigen.

 
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