Was sind Karnivoren?
Als Karnivoren oder Insektivoren wird eine kleine Gruppe von fleischfressenden Pflanzen bezeichnet. Diese systematisch nicht miteinander verwandten, zum Teil in Erscheinungsbild und Systematik sehr unterschiedlichen Pflanzen haben eine Eigenschaft gemeinsam. Sie sind in sehr nährstoffarmen Gebieten, oft Moore, Feuchtwiesen, ausgewaschene Sand- oder Felsböden, beheimatet. Um das Defizit an Nährstoffen ausgleichen zu können haben, diese Pflanzen im Laufe der Evolution die Fähigkeit zur Karnivorie entwickelt. Dazu haben sie unterschiedliche Fallentypen zum Fang von Insekten oder anderen Kleinlebewesen entwickelt. Diese werden, wiederum auf unterschiedliche Art, zersetzt und die so freigesetzten Nährstoffe von der Pflanze aufgenommen. Man unterscheidet bei fleischfressenden Pflanzen zwischen fünf verschiedene Fallentypen. Diese werden, nach der Fähigkeit zur Bewegung beim Fang- oder Verdauungsvorgang, in passive oder aktive Fallen charakterisiert.
Klebefallen
Klebefallen sondern über auf der Blattoberfläche oder auf Tentakeln sitzende Drüsen ein klebriges Sekret, den Fangschleim ab. Folgende Gattungen bedienen sich dieser Fangmethode: Regenbogenpflanzen (Byblis), Sonnentau (Drosera), Fettkräuter (Pinguicula), das Taublatt (Drosophyllum), die Wanzenpflanze (Roridula) sowie das Hakenblatt (Triphyophyllum).
Das Insekt wird durch das duftende und im Sonnenlicht schimmernde Sekret angelockt und bleibt daran haften. Durch Befreiungsversuche kommt das Insekt mit immer mehr Fangschleim in Berührung und verfängt sich immer mehr in der Falle. Bei den aktiven Klebefallen der Gattungen Drosera und Pinguicula werden zusätzlich Tentakel, welche sich in der Nähe der Beute befinden, auf diese zubewegt. Nun beginnen die Pflanzen mit der Ausschüttung von Enzymen, mit deren Hilfe die gefangenen Opfer zersetzt werden. Die so freigesetzten Nährstoffe werden nun von der Pflanze aufgenommen. Eine Ausnahme bildet hier die Gattung Roridula. Diese verläßt sich auf sogenannte Kommensalen (hier Wanzen), und nimmt die Nährstoffe erst über die Ausscheidungen der Tiere auf.
Klappfallen
Die wohl bekannteste Karnivore mit Klappfallen ist die Venusfliegenfalle (Dionaea muscipula), außer ihr bedient sich noch die Wasserfalle (Aldrovanda vesiculosa) dieser Fangmethode. Es handelt sich dabei um aktive Fallen, bestehend aus zwei Blatthälften, welche durch Reizauslösung geschlossen werden. Jede der Blatthälften ist mit mehreren Fühlborsten besetzt. Wird eine mehrmals oder verschiedene Borsten innerhalb kurzer Zeit berührt, so klappen die beiden Blatthälften zu. Diese Bewegung zählt mit zu den schnellsten im Pflanzenreich. Nach dem Verschließen wird das Insekt durch Sekrete zersetzt und die freigesetzten Nährstoffe werden von der Pflanze aufgenommen.
Saugfallen
Die größte Gattung der Karnivoren, Utricularia (der Wasserschlauch) ist zugleich auch die einzige, welche sich dem Prinzip der Saugfalle bedient. Der Wasserschlauch besitzt anstelle eines Wurzelwerkes ein mehr oder weniger verflochtenes Wirrwarr aus diesen Fangorganen. Diese mit einer Klappe und Fühlhärchen versehenen Fangorgane sind mit Luft gefüllt. Werden diese Fühlhärchen berührt, wird der Fangmechanismus ausgelöst und die Klappe geöffnet. Durch den so entstehenden Unterdruck wird die Beute in die Falle gesaugt. Die Beute wird nun durch eigens produzierte Enzyme zersetzt.
Fallgrubenfallen
Die Fallgrubenfallen sind zu krug-, schlauch- oder kannenförmig umgeformte Blätter. Die Beute wird durch am oberen Rand produzierten, duftenden Nektar angelockt. Durch weitere nach innen führende Nektarspuren wird die Beute in das Kruginnere gelockt, wo zahlreiche nach unten gerichtete Haare nur die Bewegung in eine Richtung, nämlich nach unten, zulassen. Die Innenseite ist im mittleren Bereich mit glattem Wachs überzogen, das Beutetier rutscht schlußendlich in den mit Verdauungsflüssigkeit gefüllten unteren Teil, wo sie schließlich verdaut wird. Diese Art der Fallen werden von Cephalotus, Nepenthes und allen Gattungen der Familie der Schlauchpflanzengewächse (Sarraceniaceae) ausgebildet.
Reusenfallen
Namensgebend für die Gattung Genlisea (Reusenfalle) ist das Prinzip der Fangorgane. Diese bestehen aus umgeformten, unterirdischen, y-förmigen Blättern. An den äußeren Enden dieser Blätter sind kleine schlitzartige Öffnungen angebracht. Zahlreiche, feine, nach innen gerichtete Härchen ermöglichen der Beute ein leichtes Eindringen nach innen, versperren jedoch den Weg nach draußen. Durch die kleinen Borsten geführt, gelangt das Beutetier schließlich in die mit Drüsen besetzte Verdauungsblase und wird dort mithilfe von Enzymen zersetzt.