Terrarienkultur

von Ansgar Rahmacher

zuerst veröffentlicht in "Das Taublatt" Heft 38 (=2000/2), Seite 16-20

Der Beginn einer Sammlung ist ja meistens eine Venusfliegenfalle oder ein Sonnentau, die man ohne weiteres an einem sonnigen Fenster halten kann. Irgendwann gesellen sich noch Sarracenien und Pinguiculas hinzu. Möchte man sich dann weiter steigern mit Nepenthes und Utricularien, sind weitere Vorkehrungen mit der erhöhten Luftfeuchtigkeit nötig. Ich kenne zwar auch Leute, bei denen Nepenthes × ventrata und Utricularia reniformis erfolgreich auf der Fensterbank wachsen, aber das ist eher die Ausnahme.

Ein Gewächshaus ist meistens zu teuer, also bleibt eine Vitrine oder ein Terrarium. Hat man den Standort gewählt, kommt man zum Problem der Einrichtung. Die leichteste Methode ist es, etwas Wasser auf dem Boden zu haben und Töpfe hineinzustellen. Es gibt aber auch anspruchsvollere Varianten mit kleinen Landschaften. Das sollte man vorher gut planen, denn nichts ist ärgerlicher, als eine bestehende Vegetation großartig umzugestalten. Ich werde jetzt 2 Beispiele aufführen, einmal das Terrarium von mir und das meines Bekannten Ralf Vester.
Mein Terrarium war vorher ein 375 Liter Aquarium, bis ich mich entschied, die Fische auszuquartieren. Es hat ca. 30 cm Abstand von der Oberkante zu vier 35 Watt Leuchtstoffröhren. Zwischen Decke und Oberkante ist es noch von Plexiglasscheiben umrandet, das hält die Luftfeuchtigkeit hoch. Das Substrat ist ausschließlich Torf, der auch von den Nepenthes gut vertragen wird, stellenweise mit kleinen Steinchen aufgelockert und an der Hinterseite auf ca. 40 cm aufgeschüttet, so daß sich ein kleiner Hang ergibt, der vorne in einen Tümpel mündet, je nachdem, wie hoch der Wasserstand ist. Über den Torf fließt ein kleines Rinnsal, angetrieben von einem Aquarienfilter. Das Bachbett ist mit Plastiktütenschnipseln von Einkaufstüten, kleinen Steinen und Korkeichrinde ausgekleidet, damit der Torf nicht weggespült wird und das Wasser nicht gleich versickert. Momentan habe ich an Pflanzen Nepenthes alata, ampullaria, ventricosa, × mixta, × ventrata, Drosera capensis, Utricularia longifolia, sandersonii, vulgaris und eine Fettkrauthybride darin. Ein großer Teil wird auch von Sphagnum überwuchert.

Vor 2 Jahren in Bonn sah ich zum ersten Mal einen Ultraschallzerstäuber und mir war sofort klar, den muß ich haben. Das Gerät muß immer von etwas Wasser bedeckt sein, es bietet sich also eine kleine Schale an. Das Problem ist jedoch, daß nicht nur Nebel entsteht, sondern auch größere Wassertropfen herausgeschleudert werden, dadurch sinkt der Wasserspiegel sehr schnell ab, nach einer halben Stunde läuft das Gerät nicht mehr. Deshalb hatte ich das Gefäß in den kleinen Bachlauf integriert, so daß es ständig gefüllt war. Laut Herstellerangaben hält die geldstückgroße Membran des Zerstäubers ein halbes Jahr, wohl bei Dauerbetrieb. Dann muß man für ca. 20 DM eine neue einbauen. Bei mir war sie schon nach einer Woche abgenutzt und es entstand kein Nebel mehr. Nach Reklamation bekam ich eine neue, die aber auch nur eine Woche hielt. Nach diversen Erkundigungen im Internet war die Sache klar. Durch Kontakt mit dem Torf wird das Wasser sauer, wodurch die Metallbeschichtung der Keramikmembran oxidiert wird. Folglich ist das Gerät für saures Wasser ungeeignet.

Nun mußte ich tricksen. Es darf kein saures Wasser in das Gefäß gelangen und trotzdem soll immer genügend Wasser drin sein, damit Nebel entsteht. Darum habe ich außerhalb des Terrarium etwas erhöht einen 13 Liter Kanister angebracht, der mit Regenwasser gefüllt ist. Von dort führt ein Schlauch mit Absperrventil zum Gefäß. Das Ventil kann man so regulieren, das gerade soviel Wasser nachläuft, wie verbraucht wird. Mit ihren langen Blättern ist mir Utricularia longifolia eine große Hilfe beim Verdecken des Schlauches. Das Gefäß ist gut versteckt, so daß der Nebel aus einer Höhle herauskommt, die mit Sphagnum bedeckt ist.

Eine lustige Geschichte ist noch die Sache mit der Fliegeninvasion. Keine Ahnung, was sie hier wollten oder wo sie herkamen, aber wohin sie gingen, wußte ich genau: drauf! Das Terrarium steht im Keller in einem nicht vom Tageslicht erreichbaren Raum, so daß Insekten dort Mangelware sind. Dachte ich! 3 Monate nach der Einrichtung hatten sich die Pflanzen erholt und die Nepenthes begannen, Kannen zu bilden. Wenn ich mal Zeit hatte, suchte ich eine Kellerassel und brachte ihr dann „Schwimmen“ bei. Als ich an diesem Morgen den Raum betrat, war irgendwas anders. Außer den Fischen in einem anderen Aquarium richteten ca. 70 große Fliegen ihre Augen auf mich. Da fiel mir doch vor Verwunderung die Assel aus der Hand. Es war schon faszinierend, wie die Fliegen mehr oder weniger erfolgreich über Drosera capensis spazierten oder ihren Freischwimmer in den Nepenthes machten. Nach einer Woche war das Schauspiel jedoch vorbei, die Pflanzen hatten ihre Pflicht erfüllt. Einen Monat später wiederholte sich das ganze, und dann war ein Jahr Ruhe. Insgeheim hoffte ich auf eine Rückkehr, waren doch inzwischen ungefähr 20 große Kannen gewachsen. Eines morgens betrat ich also wieder den Raum, als mich ein vertrautes Summen aus meinem Halbschlaf riß. Wie spätere Zählungen des Kanneninhaltes ergaben, handelte es sich aber diesmal um über 300 Fliegen. War schon ein atemberaubendes Erlebnis, alle Fliegen gleichzeitig aufzuscheuchen. Nun hatten die Pflanzen einiges zu tun, aber sie hielten sich wacker. Für einige Nepenthes war es aber zu viel, die Kannen starben nach kurzer Zeit ab, sie hatten sich einfach überfressen.

Mein Bekannter hat sein Terrarium auch sehr aufwendig gestaltet. Auffällig ist ein Tepui aus Torfsoden, worin ein Ultraschallzerstäuber integriert ist. Dadurch fällt der Nebel ca. 20 cm in die Tiefe. Das Terrarium wird mit einer 70 Watt Natriumdampflampe beleuchtet. Es steht auf der Fensterbank und bekommt teilweise Sonne mit. Da es mit einer durchlöcherten Plexiglasscheibe abgedeckt ist, hält sich die Feuchtigkeit und die Wärme sehr gut. Das bekommt nicht allen Pflanzen darin, Venusfliegenfalle, Drosera adelae und prolifera wachsen etwas kümmerlich, dafür kommen die Raritäten richtig gut, und das wären Drosera falconeri, petiolaris, fulva und lanata Darwin. Außerdem stehen noch ein paar Utricularien, eine Heliamphora und Nepenthes ampullaria darin. In meinem Terrarium hatte ich zeitweise auch eine Heliamphora, aber es war ihr zu dunkel, was man daran erkennt, daß sie keine Deckelchen ausbildet. Bei meinem Bekannten wächst sie gut, was wieder ein Beweis für die Qualität von Natriumdampflampen ist. Ich hoffe, daß durch diesen Artikel ein paar Anregungen zur Terrarienkultur gegeben wurden, vielleicht stellt einer von Euch ja auch mal sein Terrarium vor.

Tepui Drosera lanata Drosera falconeri