zuerst veröffentlicht in "Das Taublatt" Heft 18 (=1992/1), Seite 13-14
Die Aussaat ist der Beginn, um mitzuerleben, wie aus einem Samenkorn über verschiedene Entwickungsstadien eine Pflanze bis hin zur Blüte heranwächst. Um die Vermehrung von Sarracenien durch Samen besser zu verstehen möchte ich hier einige grundlegende botanische Gegebenheiten festhalten.
Die Sarracenien gehören zu den Spermatophyten (Samenpflanzen) und hier wieder zu den Angiospermae (Decksamer; d. h. die Samen werden im Fruchtknoten gebildet), also zu den höheren Blütenpflanzen. Bei den höheren Blütenpflanzen gehören sie wiederum zu den Dicotyledoneaen (Zweikeimblättrige Decksamer).
Die Bestandteile des Samens setzen sich zusammen aus:
1. Testa: Samenschale, die als Schutzorgan dient,
2. Endosperm: Nährgewebe, das Reservestoffe für die Keimung enthält,
3. Embryo: Keimling als gegliederte Pflanze.
Der Samen führt ein latentes Leben. Der Stoffwechsel ist durch seinen geringen Wasserhaushalt (< 15% H2O) stark reduziert. Er befindet sich im Ruhezustand und kann dadurch Schäden durch Kälte und Hitze leichter ertragen. Wenn der Samen auf das Substrat kommt und die keimhemmenden Stoffe abgebaut sind (bei Sarracenien durch Kälte), beginnt der Samen mit der Wasseraufnahme und beginnt zu quellen. Die Testa wird gesprengt, die Reservestoffe gelöst und die Keimwurzel (Radicula) dringt in das Substrat. An der Keimwurzel von zweikeimblättrigen Pflanzen bilden sich sofort Seitenwurzeln. Von nun an ist die Pflanze zur selbstständigen Wasseraufnahme befähigt. Jetzt streckt sich der Keimstengel (Hypocotyl) und die Keimblätter (Kotyledonen) entfalten sich.
Bei der Sarracenienaussaat verwende ich ein Substrat, das aus Torf und Perlit (2:1) besteht. Der Perlit dient der Bodendurchlüftung und ist zur Wasseraufnahme befähigt. Auch das spätere Pikieren wird durch den Perlit erleichtert, da man die feinen Wurzeln leicht aus dem lockeren Substrat bekommt. Als Aussaatgefäße benutze ich je nach Samenmenge Styroporkisten oder Viereckplastiktöpfe. Diese werden mit Substrat gefüllt, wobei ich sorgfältig darauf achte, daß die Ecken der Kisten oder Töpfe etwas fester angedrückt werden. Damit wird verhindert, daß beim Hochheben der Aussaatgefäße Risse im Substrat entstehen.
Jetzt ist wichtig, daß das Substrat angegossen wird, denn liegt erst einmal das Saatgut auf dem Substrat, ist die Gefahr groß, dieses zu verschwemmen. Nun bringe ich den Samen auf dem Substrat aus und drücke ihn anschließend vorsichtig an, um einen guten Bodenkontakt herzustellen. Wichtig ist, daß der Samen nicht abgedeckt wird, da Sarracenien Lichtkeimer sind. Nun stelle ich die Aussaatgefäße in einen Anstaubehälter in den Kühlschrank. So wird die Natur nachgeahmt und keimhemmende Stoffe abgebaut. Nach 3-4 Wochen nehme ich die Aussaaten aus dem Kühlschrank und stelle sie in einem Zimmergewächshaus bei 22-24°C auf. Nach ca. 3-4 Wochen keimen die ersten Samen (je nach Alter des Saatgutes). Sobald die Sämlinge gleichmäßig aufgelaufen sind, muß unbedingt die Haube des Zimmergewächshauses abgenommen werden, da unter dieser gespannten Luft der Befall mit pilzlichen Krankheiten besonders groß ist. Nun kultiviere ich die Sämlinge bis zum Pikieren hell und luftig bei 18-20°C weiter.
Sollten während dieser Zeit von der Aussaat bis zum Pikieren dennoch pilzliche Krankheiten auftreten, wie z. B. Botrytis, behandle ich dies mit Albisal 0,2 %ig (2 g/l) oder Benomyl 0,1 %ig (1 g/l).
Eine große Gefahr stellen auch Trauermücken dar, deren Maden die jungen Wurzeln abfressen. Hier helfe ich mir, indem ich zwischen den Aussaaten ein paar Droseratöpfe aufstelle.
Es gibt noch andere erfolgversprechende Kulturmethoden der Aussaat und dies ist bestimmt nicht die einzig richtige, dennoch hoffe ich dem einen oder anderen einige wertvolle Tips gegeben zu haben.