Das Moor im eigenen Garten (Teil 1 2 3)

von Erich Maier

zuerst veröffentlicht in "Das Taublatt" Heft 16 (=1991/2), Seite 9-11

Der Standort für das große Moor war gefunden! Es sollte in der alten Schafweide seinen Platz finden. Nur dort fand sich noch ausreichend Platz! Das Gelände wies eine für das Auge kaum wahrzunehmende Schräglage auf. Mit vier Pflöcken an den Enden wurde zunächst die etwaige Größe abgesteckt! Immer wieder ging ich um die Absteckung herum mit dem Gedanken, ob die Arbeit von der Größe her überhaupt zu schaffen sei. Diese Frage quälte mich wochenlang.

Doch meine Idee, ein Moor zu besitzen, worauf man spazierengehen, Pflanzen entdecken und in Träume versinken kann, ließ mich nicht mehr los. Nach wochenlangem Hin und Her faßte ich schließlich den Mut zur abgesteckten Größe und Lage. Ich zog eine Schnur von Pflock zu Pflock und trieb alle 2 m einen neuen Pflock in die Erde.

Mit Hilfe meines Sohnes lotete ich mit einer Schlauchwaage das Gelände aus. Es stellte sich heraus, daß von einer Ecke zur anderen Höhenunterschiede von 40 - 60 cm auszugleichen waren! Ich bestellte die entsprechend der Markierung notwendigen Gerüstbretter, um sie an die Pflöcke zu nageln. Die Bretterwand (spätere Mooroberkante) hatte stellenweise eine Höhe von 70 cm erreicht. Mir wurde klar, daß die zwar starken Bretter jedoch keinesfalls dem späteren Druck nach außen standhalten konnten. So bat ich meinen Nachbarn, der einen Trecker mit Frontschaufel besitzt, Erde an die äußere Bretterwand zu füllen, was auch wenig später geschah. Meine Arbeit bestand nun darin, die Erde gleichmäßig zu verteilen und gegen die äußere Wand zu drücken. Die weiteren Arbeiten bestanden darin, die Unebenheiten des Bodens auszugleichen und diesen anschließend mit Folien- und Teppichresten auszupolstern!

Nun wurde die Folie in entsprechenden Längen abgeschnitten, mehrere Bahnen aneinander geschweißt und verlegt. Vor einigen Jahren hatte ich große Regenwasserspeicher angelegt. Aus diesem Speicher pumpte ich mehrere tausend Liter Regenwasser in das künftige Moor. Dies schien mir zweckmäßig zu sein; zum einen, um die Folie bei starkem Sonnenschein nicht unnötig aufheizen zu lassen, und zum anderen war für die großen Blänken eine größere Anzahl von Weißtorfziegeln nötig! Diese legte ich zum Vollsaugen erst einmal ins Wasser! Damit waren die ersten Vorarbeiten erledigt und ich konnte anderen, inzwischen liegengebliebenen Arbeiten nachgehen. Doch schon beschäftigten mich die Wasserspeicher! Woher sollte ich sie nehmen? Inzwischen hatte ich einige Körbe, Container und Fässer sammeln können, doch bei einer Größe von 14,60 x 17,60 m = 257 qm Gesamtfläche war dies nur ein Tropfen auf den heißen Stein! Bekannte und Verwandte wurden mobilisiert, und es wurde zusammengetragen, was zu finden und aufzutreiben war! Doch es genügte nicht! Von einer Kunststoff-Fabrik kaufte ich 450 beschädigte, jedoch neue 10 l Eimer für einen Spottpreis! Die Bilanz nach mehreren Wochen: 450 Eimer, 50 x 120 l Kunststoff-Fässer, 30 neue Speiskübel (Maurerkübel) mit 90 l Fassungsvermögen, 50 Seerosenkörbe (ca. 40 l), unzählige Kanister in unterschiedlichen Größen, 1 Wanne mit 500 l, 2 Wannen mit je 400 l. Nun mußten die Gefäße, die nicht neu waren, gereinigt werden. Diese Arbeit verschlang Tage! Noch mehr Arbeit aber verschlang das Bohren! Meine Tochter hatte sich gegen ein entsprechendes Honorar bereit erklärt, die Fässer, Kübel und Eimer mit Löchern zu versehen. Parallel dazu habe ich mit verschiedenen Torfhändlern und Torfbauern Verhandlungen über Torflieferungen geführt. Nach zähem Ringen konnte ich einen Lieferanten dazu bewegen, den Torf zu einem vernünftigen Preis lose anzuliefern ! Lose Anlieferung war Voraussetzung für mich, um nicht jeden Sack aufschneiden und entleeren zu müssen.

Nun konnten die Eimer, Fässer, Kanister usw. in die vorgesehene Position gebracht werden. Die Blanken blieben frei von Behältern, da sie ja selbst einen offenen Wasserspeicher bilden. An ihnen ist später auch der schwankende Wasserstand abzulesen! Nachdem alle Gefäße eingebaut und entsprechend placiert waren, stellte sich zu meiner Überraschung heraus, daß es immer noch viel zu wenige Gefäße waren, doch mehr waren mit besten Willen nicht mehr aufzutreiben! Meine Vorstellung ging dahin, 70 % der Fläche mit unterirdischen Wasserspeichern auszufüllen! Doch es sind gerade ca. 40 % geworden! Nachdem dies überstanden war, konnte der Torf herbei geschafft werden. Mit dem Torfhändler vereinbarte ich, alle 1-2 Tage eine LKW-Ladung = 20 m3 Schwarztorf lose und erdfeucht zu liefern. So ersparte ich mir das regelmäßige Anfeuchten des Torfes. Schwarztorf deshalb, da er beinahe um die Hälfte preiswerter als Weißtorf ist.

Nun galt es, innerhalb von 1 - 2 Tagen jeweils 20 m3 Torf mit der Schubkarre zu verteilen und gleichzeitig zu verdichten. Dies bei brütender Hitze! So wuchs Torfschicht um Torfschicht in die Höhe, und mit ihr wuchs auch die Torfwand der Blänke. Gerade der Einbau der Wände aus nassen Weißtorfziegeln mußte sehr sorgfältig geschehen, um ein späteres Einsacken oderAufschwimmen zu vermeiden. Nach 12 schweißtreibenden Tagen wurde die letzte Fuhre abgekippt, es war die achte, und somit wurden insgesamt 160 m3 Schwarztorf verteilt. Nun wurde das Ganze noch mit einer ca. 10 cm dicken Weißtorfschicht versehen. Dieser Torf war leider nicht lose, sondern nur in 200 l Säcken zu bekommen. Das Gelände konnte nun geformt werden. Vorhanden waren zwei große Blänken, eine Schlenke und vier Bulte. Die Schlenke bekam eine Insel, auf die später Sarracenia purpurea gepflanzt werden sollte, schon deswegen, um eine natürliche Barriere für Eidechsen zu schaffen! Für Pflanzen, die keine Staunässe vertragen, mußten noch entsprechende Anhöhen (Bulte) von 20 - 30 cm geschaffen werden. Nach getaner Arbeit wurden die letzten Regenwasserreserven von 3 - 4 m3 ins Moor gepumpt und verteilt. Der Torf hatte, wie ein Schwamm, das ganze Wasser in sich aufgesogen. Zusätzlich wurde eine provisorische Regenrinne von einem nahegelegenen Gewächshaus angeschlossen und ins Moor geleitet, um möglichst schnell die Grundfeuchtigkeit zu erreichen und pflanzen zu können. Zwischendurch fiel mehr oder weniger Regen und der Zeitpunkt der Pflanzung war gekommen.

Es wurden eine ganze Reihe Pflanzen aus unterschiedlichen Moortypen zusammengetragen. Bei der Bepflanzung wurde darauf natürlich Rücksicht genommen. So wurde, um ein Beispiel zu nennen, bei Pinguicula vulgaris, Lungenenzian, Tarant usw. Quarzsand untergemischt. Ebenso wurde bei Pflanzen Rücksicht genommen, die wenig oder gar keine Staunässe vertragen!

Zum Schluß erlauben Sie mir noch einige Gedanken zum Thema Torfverbrauch! Aufgrund der vielen Hohlräume im Moorkörper ist der Torfverbrauch bis auf ein Minimum reduziert! Eigentlich kann ich in Zusammenhang mit dem Bau eines Moores gar nicht von einem "Verbrauch" an Torf sprechen; denn er wird ja nicht verbraucht, sondern er bleibt erhalten. Ja, ich gehe soweit und behaupte, er vermehrt sich wieder! Immerhin ist innerhalb von 10 Jahren die Torfschicht um real 1 cm gewachsen! Für mich ist Torf ein ständig erneuerbarer und nachwachsender Rohstoff. Ich kann es zwar nicht belegen, bin jedoch fest davon überzeugt, daß in Nordamerika und Nordeuropa mehr Torf nachwächst als abgebaut wird. Nur in Deutschland ist es anders, hier wird "Raubbau" um jeden Preis getrieben! Rindenmulch, Rindenkompost usw. ist so lange kein alternativer Ersatz, so lange Torf so preiswert "verschleudert" wird.

Um auf den Anfang zurückzukommen: Für mich ist es eben nicht "schaurig übers Moor zu gehen".