zuerst veröffentlicht in "Das Taublatt" Heft 16 (=1991/2), Seite 9-11
Der Standort für das große Moor war gefunden! Es sollte in
der alten Schafweide seinen Platz finden. Nur dort fand sich noch ausreichend
Platz! Das Gelände wies eine für das Auge kaum wahrzunehmende
Schräglage auf. Mit vier Pflöcken an den Enden wurde zunächst
die etwaige Größe abgesteckt! Immer wieder ging ich um die Absteckung
herum mit dem Gedanken, ob die Arbeit von der Größe her überhaupt
zu schaffen sei. Diese Frage quälte mich wochenlang.
Doch meine Idee, ein Moor zu besitzen, worauf man spazierengehen, Pflanzen
entdecken und in Träume versinken kann, ließ mich nicht mehr
los. Nach wochenlangem Hin und Her faßte ich schließlich den
Mut zur abgesteckten Größe und Lage. Ich zog eine Schnur von
Pflock zu Pflock und trieb alle 2 m einen neuen Pflock in die Erde.
Mit Hilfe meines Sohnes lotete ich mit einer Schlauchwaage das Gelände
aus. Es stellte sich heraus, daß von einer Ecke zur anderen Höhenunterschiede
von 40 - 60 cm auszugleichen waren! Ich bestellte die entsprechend der
Markierung notwendigen Gerüstbretter, um sie an die Pflöcke zu
nageln. Die Bretterwand (spätere Mooroberkante) hatte stellenweise
eine Höhe von 70 cm erreicht. Mir wurde klar, daß die zwar starken
Bretter jedoch keinesfalls dem späteren Druck nach außen standhalten
konnten. So bat ich meinen Nachbarn, der einen Trecker mit Frontschaufel
besitzt, Erde an die äußere Bretterwand zu füllen, was
auch wenig später geschah. Meine Arbeit bestand nun darin, die Erde
gleichmäßig zu verteilen und gegen die äußere Wand
zu drücken. Die weiteren Arbeiten bestanden darin, die Unebenheiten
des Bodens auszugleichen und diesen anschließend mit Folien- und
Teppichresten auszupolstern!
Nun wurde die Folie in entsprechenden Längen abgeschnitten, mehrere
Bahnen aneinander geschweißt und verlegt. Vor einigen Jahren hatte
ich große Regenwasserspeicher angelegt. Aus diesem Speicher pumpte
ich mehrere tausend Liter Regenwasser in das künftige Moor. Dies schien
mir zweckmäßig zu sein; zum einen, um die Folie bei starkem
Sonnenschein nicht unnötig aufheizen zu lassen, und zum anderen war
für die großen Blänken eine größere Anzahl von
Weißtorfziegeln nötig! Diese legte ich zum Vollsaugen erst einmal
ins Wasser! Damit waren die ersten Vorarbeiten erledigt und ich konnte
anderen, inzwischen liegengebliebenen Arbeiten nachgehen. Doch schon beschäftigten
mich die Wasserspeicher! Woher sollte ich sie nehmen? Inzwischen hatte
ich einige Körbe, Container und Fässer sammeln können, doch
bei einer Größe von 14,60 x 17,60 m = 257 qm Gesamtfläche
war dies nur ein Tropfen auf den heißen Stein! Bekannte und Verwandte
wurden mobilisiert, und es wurde zusammengetragen, was zu finden und aufzutreiben
war! Doch es genügte nicht! Von einer Kunststoff-Fabrik kaufte ich
450 beschädigte, jedoch neue 10 l Eimer für einen Spottpreis!
Die Bilanz nach mehreren Wochen: 450 Eimer, 50 x 120 l Kunststoff-Fässer,
30 neue Speiskübel (Maurerkübel) mit 90 l Fassungsvermögen,
50 Seerosenkörbe (ca. 40 l), unzählige Kanister in unterschiedlichen
Größen, 1 Wanne mit 500 l, 2 Wannen mit je 400 l. Nun mußten
die Gefäße, die nicht neu waren, gereinigt werden. Diese Arbeit
verschlang Tage! Noch mehr Arbeit aber verschlang das Bohren! Meine Tochter
hatte sich gegen ein entsprechendes Honorar bereit erklärt, die Fässer,
Kübel und Eimer mit Löchern zu versehen. Parallel dazu habe ich
mit verschiedenen Torfhändlern und Torfbauern Verhandlungen über
Torflieferungen geführt. Nach zähem Ringen konnte ich einen Lieferanten
dazu bewegen, den Torf zu einem vernünftigen Preis lose anzuliefern
! Lose Anlieferung war Voraussetzung für mich, um nicht jeden Sack
aufschneiden und entleeren zu müssen.
Nun konnten die Eimer, Fässer, Kanister usw. in die vorgesehene
Position gebracht werden. Die Blanken blieben frei von Behältern,
da sie ja selbst einen offenen Wasserspeicher bilden. An ihnen ist später
auch der schwankende Wasserstand abzulesen! Nachdem alle Gefäße
eingebaut und entsprechend placiert waren, stellte sich zu meiner Überraschung
heraus, daß es immer noch viel zu wenige Gefäße waren,
doch mehr waren mit besten Willen nicht mehr aufzutreiben! Meine Vorstellung
ging dahin, 70 % der Fläche mit unterirdischen Wasserspeichern auszufüllen!
Doch es sind gerade ca. 40 % geworden! Nachdem dies überstanden war,
konnte der Torf herbei geschafft werden. Mit dem Torfhändler vereinbarte
ich, alle 1-2 Tage eine LKW-Ladung = 20 m3 Schwarztorf lose
und erdfeucht zu liefern. So ersparte ich mir das regelmäßige
Anfeuchten des Torfes. Schwarztorf deshalb, da er beinahe um die Hälfte
preiswerter als Weißtorf ist.
Nun galt es, innerhalb von 1 - 2 Tagen jeweils 20 m3 Torf
mit der Schubkarre zu verteilen und gleichzeitig zu verdichten. Dies bei
brütender Hitze! So wuchs Torfschicht um Torfschicht in die Höhe,
und mit ihr wuchs auch die Torfwand der Blänke. Gerade der Einbau
der Wände aus nassen Weißtorfziegeln mußte sehr sorgfältig
geschehen, um ein späteres Einsacken oderAufschwimmen zu vermeiden.
Nach 12 schweißtreibenden Tagen wurde die letzte Fuhre abgekippt,
es war die achte, und somit wurden insgesamt 160 m3 Schwarztorf
verteilt. Nun wurde das Ganze noch mit einer ca. 10 cm dicken Weißtorfschicht
versehen. Dieser Torf war leider nicht lose, sondern nur in 200 l Säcken
zu bekommen. Das Gelände konnte nun geformt werden. Vorhanden waren
zwei große Blänken, eine Schlenke und vier Bulte. Die Schlenke
bekam eine Insel, auf die später Sarracenia purpurea gepflanzt werden
sollte, schon deswegen, um eine natürliche Barriere für Eidechsen
zu schaffen! Für Pflanzen, die keine Staunässe vertragen, mußten
noch entsprechende Anhöhen (Bulte) von 20 - 30 cm geschaffen werden.
Nach getaner Arbeit wurden die letzten Regenwasserreserven von 3 - 4 m3
ins Moor gepumpt und verteilt. Der Torf hatte, wie ein Schwamm, das ganze
Wasser in sich aufgesogen. Zusätzlich wurde eine provisorische Regenrinne
von einem nahegelegenen Gewächshaus angeschlossen und ins Moor geleitet,
um möglichst schnell die Grundfeuchtigkeit zu erreichen und pflanzen
zu können. Zwischendurch fiel mehr oder weniger Regen und der Zeitpunkt
der Pflanzung war gekommen.
Es wurden eine ganze Reihe Pflanzen aus unterschiedlichen Moortypen
zusammengetragen. Bei der Bepflanzung wurde darauf natürlich Rücksicht
genommen. So wurde, um ein Beispiel zu nennen, bei Pinguicula vulgaris,
Lungenenzian, Tarant usw. Quarzsand untergemischt. Ebenso wurde bei Pflanzen
Rücksicht genommen, die wenig oder gar keine Staunässe vertragen!
Zum Schluß erlauben Sie mir noch einige Gedanken zum Thema Torfverbrauch!
Aufgrund der vielen Hohlräume im Moorkörper ist der Torfverbrauch
bis auf ein Minimum reduziert! Eigentlich kann ich in Zusammenhang mit
dem Bau eines Moores gar nicht von einem "Verbrauch" an Torf sprechen;
denn er wird ja nicht verbraucht, sondern er bleibt erhalten. Ja, ich gehe
soweit und behaupte, er vermehrt sich wieder! Immerhin ist innerhalb von
10 Jahren die Torfschicht um real 1 cm gewachsen! Für mich ist Torf
ein ständig erneuerbarer und nachwachsender Rohstoff. Ich kann es
zwar nicht belegen, bin jedoch fest davon überzeugt, daß in
Nordamerika und Nordeuropa mehr Torf nachwächst als abgebaut wird.
Nur in Deutschland ist es anders, hier wird "Raubbau" um jeden Preis getrieben!
Rindenmulch, Rindenkompost usw. ist so lange kein alternativer Ersatz,
so lange Torf so preiswert "verschleudert" wird.
Um auf den Anfang zurückzukommen: Für mich ist es eben nicht
"schaurig übers Moor zu gehen".