zuerst veröffentlicht in "Das Taublatt" Heft 14 (=1990/2), Seite 15-19
"Oh, schaurig ist's, über's Moor zu gehen . . ." So furchterregend
und fast lebensbedrohend muß das Moor auf die westfälische Dichterin
Annette von Droste -Hülshof gewirkt haben, wie in ihrem Buche "Der
Knabe im Moor" nachzulesen ist.
Nein, für mich wirkt es nicht schaurig, im Gegenteil! Schon in
meiner Jugend hatte das Moor für mich eine geradezu magische Anziehung.
Und dies ist bis heute so geblieben!
So entschied ich mich vor etwa 10 Jahren, das erste künstliche
Moor in meinem Garten anzulegen. Im Herbst 1989 habe ich nun mein 12. geschaffen.
In dieses sind all meine Erfahrungen hineingeflossen, die ich im Laufe
der Jahre machte. Es hat die stattliche Größe von über
250 qm.
In mehreren Folgen werde ich berichten, welche Höhen und Tiefen
und welche besonderen Probleme auftauchten.
Nun, zurück zum Bau meines ersten Moores vor etwa 10 Jahren!
Zunächst galt es, möglichst umfangreiche Literatur zu studieren;
Jede Buchhandlung in unserer Stadt wurde aufgesucht. Nachdem ich in den
mir zugewiesenen Regalen nichts Zutreffendes oder Geeignetes fand, bat
ich die Verkäuferin, mir weiter zu helfen. Nach dem Studium von dicken
Verzeichnissen und Katalogen wurde mit klar, daß ich auf keinerlei
Erfahrungen früherer Autoren zurückgreifen konnte. Es gab hier
und dort kleine Taschenbücher über Pflanzen heimischer Moore.
Das war aber auch schon alles! Jedoch, worauf beim Bau eines künstlichen
Moores zu achten ist, fand sich in keinem Buch!
Nachdem ich mir eine kleine Ecke von 3 x 1 m ausgesucht hatte, begann
ich den Boden ca. 40 m tief auszuschachten . War dies geschafft, wurde
die "Grube" mit einer 0,5 mm dicken Teichfolie ausgekleidet und abgedichtet.
Anschließend brachte ich den vorher bereits angefeuchteten Torf ein
und verdichtete ihn, indem ich mit beiden ausgespreizten Händen den
Torf festdrückte. Um dem Moor seine typische Landschaft zu geben,
wurden eine kleine Blänke (Moortümpel) als Wasserspeicher und
zusätzlich als dekoratives Beiwerk eine alte Baumwurzel mit eingebaut.
Anschließend begann ich mit der Bepflanzung. Als Grundbepflanzung
waren vorgesehen:
Eriophorum vaginatum, Eriophorum angustifolium, Drosera rotundifolia,
Drosera intermedia, Betula nana, Myrica gale, Erica tetralix, Nartheticum
ossifragum, Hypericum elodes, Kalmia polifolia, Andromeda glaucophylia,
Ledum palustre, Sphagnum spec. und für die Blänke Utricularia
vulgaris. Die ersten Probleme tauchten gegen Ende Mai auf, als bei großer
Trockenheit die Blänke fast täglich 5-8 cm Wasser verlor, so
daß alle paar Tage entsprechend Wasser aus dem Hahn nachgefüllt
werden mußte. Jedoch mit dem Wasser stiegen die Probleme! Da wir
auf dem flachen, westfälischen Münsterlande wohnen, weitab von
menschlicher Besiedelung, sind wir ausschließlich auf unser Wasser,
so wie es aus dem Brunnen kommt, angewiesen. Und dies bedeutet, mit einer
Gesamthärte von 24 und einem Mikrosiemenswert (Leitfähigkeit
entspricht Salzgehalt) von 850-1000 fertig zu werden! Bei einem so hohen
Kalkgehalt, dazu stark eutrophem Wasser geradezu die schlimmsten Feinde
jeden Moores konnte die Sache nicht gutgehen.
Innerhalb von nur wenigen Monaten zeigte sich auch, wie vermutet wurde,
eine Veränderung an Torf und Pflanzen! Immer mehr überzog sich
eine weiße Kruste, besonders auf den obersten Torfspitzen. Die eingebrachten
Pflanzen wollten nicht so recht wachsen, und das Torfmoos verabschiedete
sich als erstes. Bald darauf verschwanden die Moorlilien, um nur einige
zu nennen. Das schmalblättrige Wollgras dagegen fing an zu wuchern
und überzog mit seinen Ausläufern die ganze Torffläche.
Zu meinem Schrecken breitete sich das Lebermoos in Windeseile aus, es war
kaum noch zu unterdrücken. Die Überlebenschancen für die
Drosera-Arten waren gering. Nun wurde mir erst klar, welche zentrale Rolle
beim Moor gerade das Wasser spielt. Nur dieses entscheidet, ob aus einem
Hochmoor ein Niedermoor, Kalkmoor oder ein Sumpf entsteht.
Warum überhaupt in unseren Breiten Moore sind, ist doch der Tatsache
zu verdanken, daß es im Jahresdurchschnitt höhere Niederschläge
gibt, als Wasser verdunstet. Also stellte sich mir die Frage, was zu tun
sei: Möglichst viel Regenwasser im Moorkörper selbst unterzubringen,
ohne dabei die Blänke im Verhältnis zur Gesamtfläche zu
vergrößern?
So kam ich eines Tages auf eine ganz ungewöhnliche Idee! Im Schuppen
lagen seit Jahren alte, z.T. erheblich beschädigte und nicht mehr
zu gebrauchende Pflanzencontainer in unterschiedlichen Größen
von 3-10 l Fassungsvermögen und eine nicht geringe Anzahl von
Kanistern, die eigentlich schon lange für den Sperrmüll vorgesehen
waren. Doch jetzt tat sich eine neue Verwendungsmöglichkeit auf. Ich
dachte mir, wenn man diese Container verkehrt auf die Folie stellt, um
somit unterirdische Hohlräume zu schaffen, könnte es gelingen,
das Problem Wasser vielleicht auf Dauer zu lösen; denn wo Hohlräume
sind, ist einerseits Platz für mehr Regenwasser und andererseits bedeutet
es geringeren Torfverbrauch! Gedacht und getan! Das zweite Moor war von
nun an beschlossene Sache!
Ein Standort für mein zweites Moor war nach vielen Überlegungen
gefunden! Es lag nur 3 m von einem größeren natürlichen
Teich entfernt in einer sonnigen Lage. Für dieses Moor war eine Größe
von 8 x 3,50 m vorgesehen. Diese Maße haben sich aus dem Umfeld so
ergeben. Mitten auf dieser Fläche befand sich ein kleiner Folienteich,
der jedoch längst aufgegeben war, nur noch die Vertiefungen erinnerten
daran. Die Restfläche wurde nicht ausgeschachtet, sondern die Unebenheiten
wurden mit Sand ausgeglichen. Um möglichst wenig Arbeit zu haben,
dachte ich an ein Moor, das nicht in die Erde gebaut werden, sondern vielmehr
aus dem Boden herauskommen sollte. Also ein "Hochmoor" im doppelten Sinne!
Das Gelände wurde mittels Schlauchwaage ausgelotet, und anschließend
wurden Holzpflöcke in den Boden gerammt, und zwar soweit sie untereinander
eine waagerechte Höhe bildeten. Anschließend wurden stabile
Gerüstbretter an die Pflöcke genagelt. Nachdem alle vier Seiten
miteinander verbunden waren, wurden weitere Pflöcke zur Stabilisierung
der künftigen Moorwand in die Erde getrieben und befestigt.
Nun galt es, die Folie vorzubereiten! Eine halbe Rolle von 4 m Breite
war noch vorhanden. Nun wurde diese der Länge nach, reichlich bemessen,
abgeschnitten. Da ich eine Gesamtbreite von 5,50 m benötigte, mußte
ich noch mit einem Quellschweißmittel 1,50 m anschweißen, was
für mich kein allzu großes Problem darstellte. Nachdem die Folie
zugeschnitten und entsprechend verschweißt vor dem künftigen
Moor lag, wurde der Boden letztmalig auf Unebenheiten, spitze Gegenstände
etc. kontrolliert. Zum Auspolstern der Unterlage wurde im Schuppen noch
nach leeren Torfsäcken, alten Teppichresten oder auch größeren
Kartonagen gesucht, denn diese oder ähnliche Gegenstände können
die Lebensdauer der Plane erheblich verlängern! Man denke nur an das
Eindringen von Mäusen! Nachdem die Vorbereitungen abgeschlossen waren,
wurde die 0,5 mm dicke Teichfolie eingebracht. Sie lappte an den Rändern
allseitig reichlich über. (Anm.: Dies ist erforderlich für den
Fall, daß das Erdreich nach dem Verdichten des Torfes nachgibt).
Nun holte ich alte Pflanzcontainer, Kanister, Plastikschüsseln und
auch eine alte, rechteckige, 500 l-Wanne, um diese Dinge einzubauen. Zuerst
wurde die alte, große Wanne verkehrt in die tiefe Mulde gestellt.
Zuvor jedoch wurde der Boden der Wanne mit mehreren fingerdicken Löchern
versehen. Dies ist sehr wichtig, denn der Wannenboden liegt nun oben. So
wie das Regenwasser nach und nach von unten eindringt, muß nach oben
die Luft entweichen können. Nur so ist es möglich, Wasser eindringen
zu lassen und für "Notzeiten" speichern und wieder abgeben zu können.
Anschließend wurden nach und nach 12 x 10 l-Container und 18 x 3
l-Container, ebenfalls verkehrt, eingebaut. Eine nachträgliche Bohrung
entfällt, da Pflanzcontainer bekanntlich ohnehin mehrere Abzugslöcher
haben. Da das Moor auf Nährstoffe empfindlich reagiert, versteht es
sich von selbst, daß alle eingebrachten Gefäße vorher
gründlich gereinigt werden müssen!
Nachdem die Gefäße
an nicht störender Stelle plaziert waren, wurden mit regenwassergetränkten
und vollgesogenen Torfziegeln zwei Blänken (Moortümpel) angelegt.
Sie bilden die äußere Umrandung; sie müssen, was sehr wichtig
ist und bereits gesagt wurde, gut durchnäßt sein, um ein späteres
Aufschwimmen zu vermeiden! Am besten ist es, die Torfziegel wenigstens
eine Woche lang zu wässern! Nasse Ziegel lassen sich mit einem guten
Küchenmesser leicht bearbeiten, z.B. halbieren oder Kurven schneiden;
trockene dagegen nur mit einer Säge. Weißtorfziegel sind besser
und leichter zu bearbeiten als Schwarztorfziegel (Brenntorf).
Nun ging es um das Füllmateriall Um möglichst wenig Torf
zu verwenden, entschied ich mich für die untersten 20 cm Maurersand
(gewaschener Rheinsand!) und die obersten ca. 20 cm Weißtorf. Besonders
wichtig ist es, darauf zu achten, daß wirklich zwei Schichten entstehen.
Katastrophale Folgen hätte es, beides zu vermischen! Die Gefäße
wurden nun in Sand eingebettet und angedrückt. Darauf folgte der vorher
angefeuchtete Torf. Eine Torfschicht von 10-15 cm genügte. Seitlich,
zwischen den Gefäßen, mußte der Torf besonders sorgfältig
nachgedrückt werden; denn von dort geht später die Kapillarwirkung
aus, d.h. das Wasser wird von den tieferen Schichten nach oben transportiert!
Vor mir lag nun eine durchgehende, begehbare Torffläche mit Ausnahme
der Blänken. Es ist von Vorteil, die Fläche jetzt mit dem Fuß
noch mehr zu verdichten. Sackt der Torf noch irgendwo nach, dies ist zwischen
den Eimern möglich, so ist diese Stelle mit Torf nachzufüllen.
Anschließend kann man mit einer Harke den Torf einebnen. Die Torfschicht
sollte etwa 5 cm höher als der Rand sein, da im Laufe der Zeit das
Ganze ohnehin noch bis zum Moorrand (Bretterkante) absacken wird.
Zwar kann man jetzt noch nicht mit der Bepflanzung beginnen, denn die
lebensnotwendige Feuchtigkeit fehlt noch, aber man sollte sich nun schon
Gedanken darüber machen, welche Pflanzen wohin kommen. Will man z.B.
Pflanzen einsetzen, die eher trockener stehen wollen, so muß man
an geeigneter Stelle etwa 20 bis 50 cm von der "Null-Linie" aus erhöhen
und ebenfalls verdichten bzw. andrücken. Will man Pflanzen einsetzen,
die lieber naß bis sumpfig stehen wollen, so nimmt man 5 -15 cm Torf
an geeigneter Stelle heraus.
Nun ist das Biotop Moor fertig, ausgestattet mit zwei Blänken
sowie mit einer flachen Mulde (Schlenke) und einer kleinen Anhöhe
(Bulte), wobei die Blänken (Moorteich) mit einem Graben "Torfstich"
verbunden sind. Über den Graben führt ein schmaler Steg. Diese
Anlage wurde im Spätherbst fertiggestellt, um bis zum Frühjahr
genügend Regenwasser zur Verfügung zu haben. Folgende Pflanzen
waren dafür vorgesehen:
Andromeda glaucophylla, Aretusa bulbosa (Moor-Orchidee), Calopogon
tuberosus (Moor-Orchidee), Chamaedaphne calyculata, Comarum palustre, Cypripedium
acaule, Drosera anglica, Drosera intermedia, Drosera rotundifolia, Drosera
Hybrida, Eriophorum vaginatum, Eriophorum virginicum, Erica tetrafix, Gentiana
pneumonanthe, Hypericum elodes, Hypericum virginicum, Kaimia angustifolia,
Kaimia polifolia, Ledum groenlandicum, Ledum palustre, Menyanthes trifoliata,
Myrica gale, Narthecium ossifragum, Peltandra virginica, Pogonia ophioglossoides
(Moor-Orchidee), Rhynchospora alba, Trientalis europaeum, Sarracenia flava,
Sarracenia purpurea, Sphagnum magelanicum, Sphagnum spec., Utricularia
vulgaris, Vaccinium macrocarpon, Vaccinium oxyccous und Viola palustris.
Nun ging's an die Bepflanzung! In die Schlenke pflanzte ich Drosera
anglica, Drosera intermedia, Eriophorum virginicum, Hypericum elodes, Hypericum
virginicum, Narthecium ossifragum, Peltandra virginica (ein Pfeilaronstab,
der hier 15 cm tief im Wasser steht), Pogonia ophioglossoides, eine etwa
30 cm groß werdende, rosablütige Orchidee, die ebenfalls sehr
nasse Füße bevorzugt, und Sarracenia purpurea, eine purpurfarbig-blütige,
fleischfressende Pflanze, der es nie naß genug werden kann. In die
Blänke kam Utricularia vulgaris. An die Blänkenränder kamen
Menyanthes trifoliata, Comarumpalustre, der Gagelstrauch Myrica gale. Alle
übrigen Pflanzen wurden in Gruppen, in gebührendem Abstand zur
nächsten Gruppe gepflanzt, wobei Wert auf Wuchsform, Blütenfarben
und Blühtermine gelegt wurden. Wie haben sich Moor und die Pflanzen
weiterentwickelt? Haben die Wasserreserven im trockenen Sommer ausgereicht?
Eine Bilanz und Antwort auf diese Fragen in der nächsten Ausgabe!