Eine immer wieder beliebte Frage ist,
ob und wie man Karnivoren im Freiland halten kann. Dies ist tatsächlich
möglich, aber vom Aufbau her nicht immer ganz so einfach.
Am beliebtesten, weil
am einfachsten ist die Methode,
Karnivoren im Sommer ins Freiland zu stellen und
sie vor den ersten Frösten wieder in die Wohnung zu holen. Dies
ist mit wenigen
Ausnahmen auch ohne weiteres mögliche; nahezu alle Karnivoren aus den
gemäßigten oder
subtropischen Klimazonen können so im Freiland gehalten
werden. Ausnahmen hierzu bilden viele tropische Arten,
da sie auf eine konstant
hohe Luftfeuchtigkeit angewiesen sind, jene Arten, die keine direkte Sonne
vertragen, dazu
zählen die
Drosera aus dem tropischen Australien und viel
terrestrische Utricularia, sowie die Heliamphora, da
die auch in
Deutschland zuweilen vorkommenden hohen Sommertemperaturen von dieser Gattung
nur sehr schlecht vertragen werden. Ansonsten reicht es für die
geeigneten Arte völlig aus, sie im Terrarium oder im Anstau an einem
geschützten Platz im Freiland aufzustellen, wobei man darauf achten sollte, dass
die Gefahr der Überhitzung möglichst
klein gehalten wird; eine leichte
Schattierung im Hochsommer ist da ein Muss.
Während es bei der zeitweiligen Freilandkultur im
wesentlichen nur darum geht, die Pflanzen in Ihren Behältern
möglichst ohne
hinzufallen an einem geeigneten Platz auf zu stellen, ist die ganzjährigen
Freilandkultur von Karnivoren mit etwas Aufwand verbunden; aber keine Angst, es
ist zuweilen einfacher, als man sich vorstellt.
Allerdings eignen sich nicht alle Arten für diese Art der Kultur; Hinweise, welche Arten hierfür geeignet
sind, findet man in den FaQ,
Punkt 12.
Vorliegender Text soll hier nur kurz die Grundlangen der
Gartenkultur von Karnivoren beschreiben; wer
weitergehende Informationen sucht,
dem sein das Buch "Das Moor im eigenen Garten" von Erich Meier,
erschienen
im Paray - Verlag, empfohlen. Dort findet der Leser weitergehende
Informationen, die in dieser Form nicht oder nur
zusammenfassend dargelegt
werden können. Auch die CD-ROM von Georg Benda (bitte dort nachfragen) sind
eine vielfältige Informationsquelle, nicht nur für die Gartenkultur von
Karnivoren.
Das wichtigste Vorraussetzung für die erfolgreiche Anlage
eines Karnivorenbeets im Garten ist die Auswahl eines
geeigneten Platzes dafür,
er sollte nach Süden ausgerichtet sein, sehr viel Sonne erhalten, etwas
geschützt vor den Witterungsbedingungen liegen und keine Laubbäume in der
Nähe haben. Letztere sorgen durch ihren jährlichen
Laubabwurf für einen unerwünschten Eintrag von Nährstoffen in das Karnivorenbeet. Es sollte
außerdem darauf geachtet werden, dass in den Kulturraum keine Gartenerde
eingetragen werden kann. Des weiteren sollte man bei
der Bepflanzung darauf
achten, dass hohe Arten nach hinten, niedrige nach vorne gepflanzt werden, damit
alle Pflanzen genug Licht bekommen. Als Vorderseite wird dabei die der Sonne
zugewandte Seite angesehen.
Da hier davon ausgegangen wird, dass die meisten Leser nur
begrenzten Platz und Geldmittel zur Verfügung haben,
wird hier nicht weiter auf
die Kombination Gartenteich/Moorbeet eingegangen; diese Lösung ist in oben
erwähnten Buch zu finden.
Die einfachste und billigste Lösung ist die Kübelkultur der
Pflanzen im Freiland. Die verwendeten Gefäße sollten
frostsicher, also eine
Höhe und einen Durchmesser von 40 cm nicht unterschreiten, wasserdicht und wasserneutral
sein, das meint keine schädlichen Stoffe wie Kalk ins
Wasser abgeben können. Dadurch scheiden Betonkübel aus,
es sei denn sie werden
aufwendig versiegelt. Am verbreitesten ist die Verwendung von sog.
Spreissfässern aus Polyethylen, die alle geforderten Eigenschaften besitzen, es
eignen sich aber auch Planschbecken, alte emaillierte
Badewannen oder jedes
andere Gefäß mit den geforderten Eigenschaften. Nur zu klein sollten diese
nicht sein, schon
aus dem Grund, weil man ja zumeist mehr als 1 - 2 Pflanzen
unterbringen will. Diese Gefäße werden mit
ungedüngtem Weißtorf befüllt, in
ungefähr 2/3 der Höhe wird ein Überlauf angebracht, damit bei Regen die
Pflanzen nicht
ertrinken, und können dann bepflanzt werden.
Leider hat diese oberirdische Lösung 2 Nachteile, zum einen
kann
der Kübel in strengen Wintern
oder in den Mittelgebirgen schon mal komplett durchfrieren, was keine
Karnivore verträgt, zum anderen sehen diese schwarzen, runden oder rechteckigen Kübel
nicht gerade dekorativ aus, gleich
was sie enthalten.
Etwas aufwendiger ist die
Methode, die Gefäße einzugraben, wobei der Überlauf
nicht verstopft
werden darf. Kann oder will man den Behälter nicht komplett eingraben, so
genügt es, ihn etwa
20-30 cm in die
Erde einzulassen und den Rest mit
Pflanzsteinen, Bohlen etc. und einer zwischen Behälter und
Verkleidung
eingebrachten Kiesschicht ( Drainage!) oberirdisch zu verblenden und vor
Frost zu schützen; die
Verkleidung muss
dazu kaum mehr als 20 cm dick sein.
Leider hat diese einfachste Möglichkeit den Nachteil,
dass nur
begrenzt Wasser gespeichert werden kann; an heißen
Tagen muss daher
permanent nachgegossen werden, was aber nicht immer den gewünschten Erfolg hat,
da es zuweilen vorkommt, dass das Gießwasser den Torfkörper nicht komplett
durchdringt, sondern durch den Überlauf
wieder hinausläuft. Um einen
stets ausreichenden Wasservorrat zu haben, sollte man daher versteckte
Wasserspeicher einbringen, die darüber hinaus den Vorteil haben,
dass sie
wesentliche Mengen an Torf einsparen.
Hierzu werden am Boden des Gefäßes geeignete kleine
Behälter, z.B. halbierte Kanister, kleine Kunststoffeimer etc,
aufgestellt.
Diese werden mit der Öffnung nach unten aufgestellt und oben mit einigen
wenigen Löcher versehen,
damit die Luft entweichen kann. Die Zwischenräume
werden mit gut angefeuchtetem Torf aufgefüllt, der darüber
hinaus gut
angedrückt werden muss. Das hat zwei Gründe: Zum einen verhindert dies das
spätere Absacken des
Substrats, zum anderen ist nur so der Wassertransport
über die Kapillarkräfte an die Oberfläche gewährleistet. Es
kann an der
Seite noch ein Schlauch eingebracht werden, der bis zum Boden reicht. Dieser
dient dann als
Kontrollschacht und als bequemste Lösung des Nachfüllens. Auch
bei dieser Kombination muss ein Überlauf
angebracht werden, um Tauchbäder zu
vermeiden.
Nun ist es schwierig, in einem kleinen Behälter eine
ausreichende Anzahl an Wasserspeichern einzubringen; in
diesem Fall
bietet es sich an, gleich den ganzen Behälter als Wasserspeicher zu nutzen und
die Karnivoren
sozusagen schwimmend zu kultivieren. Dazu stattet man den
Behälter wieder wie gehabt in ca. 3/4 der Höhe mit
einem Überlauf aus.
Als Träger für die Substratschicht dient eine handelsübliche
Hartschaumplatte, die aber
geschlossene Poren aufweisen sollte; offenporige
Schaumstoffe wie Styropor saugen sich mit der Zeit voll und
verlieren dabei ihre
Schwimmfähigkeit. Diese Platte wird passend zurechtgeschnitten, wobei man
darauf achten
muss, dass sie sich nicht später im Gefäß verkannten kann; sie
muss frei auf dem Wasserspiegel schwimmen können
und entsprechend dem
Wasserstand steigen resp. sinken können. In diese Platte schneidet man nun eine
Anzahl Löcher, etwa 2-3 cm im Durchmesser, die man mit Dochten aus Torfmoos
füllt; diese sind später für den
Wassertransport zuständig. Bei einer
Fläche bis zu einem Quadratmeter sind 5-6 völlig ausreichend. Auf diese
Platte
bringt man nun das Substrat auf und setzt die Pflanzen ein; man
sollte vorher die Kanten mit Latten erhöhen
um ein
Wegsacken des Substrats in
den Behälter zu vermeiden. An dieser Stelle ein Wort zur Substratstärke für
die
Karnivoren: Da die meisten Karnivoren nicht tiefer als 20 cm wurzeln, muss
die eigentliche Substratschicht auch
nicht viel stärker sein. In geeigneter
Weise modifiziert (siehe Literatur) kann man diese Flöße auch freischwimmend
auf einen Teich bringen, was eine sehr reizvolle Möglichkeit darstellt.
Wer aus ökologischen Gründen keinen Torf verwenden möchte,
für den ist vielleicht folgende Variante interessant:
Auf eine Sandschicht wird
eine etwa 5-10 cm starke Schicht Sphagnum (Torfmoos) aufgebracht, die Pflanzen
werden dann darin eingebettet. Auch hier ist die Wasserversorgung sehr
wichtig. An dieser Stelle ein Wort zum
Naturschutz: Auch wenn Torf ein
wertvolles Naturprodukt ist, zu dessen Gewinnung ein ökologisch sehr wertvolles
Biotop ge- oder zerstört werden muss, so spielen die von den
Karnivorenliebhabern benötigten Mengen so gut wie
keine Rolle. Der weitaus
größte Teil wird zur Produktion von Blumenerde für Großgärtnereien und mit
zweifelhaften
Erfolgen zur Bodenverbesserung in Privatgärten eingesetzt. Und im
Gegensatz zu Gärtnereien und Gartenbesitzern
haben Karnivorenliebhaber keine
sinnvollen Alternativen bei der Substratauswahl. Soweit bekannt, wurden zwar
diverse Ausweichsubstrate wie Baumrindenschrot und Kokosfasern getestet, aber
bisher ohne Erfolg. Da der Markt
für Torfersatzprodukte für die Kultur von
Karnivoren bei seiner Größe auch völlig uninteressant für die Hersteller
von
Substraten ist, wird auf Torf bei der Karnivorenkultur noch lange Zeit wohl
nicht verzichtet werden können.
Weiter geht es mit dem Thema Pflanzenschutz. Im Freiland sind
die Karnivoren den gleichen Bedingungen wie in
freier Wildbahn ausgesetzt, so dass
in einem gesunden Umfeld weder Schädlinge noch Pflanzenkrankheiten eine
große
Rolle spielen; sollten diese einmal auftreten, gibt es diverse biologische
Methoden, mit ihnen fertig zuwerden.
Erst bei sehr starkem Befall sollte man den
Einsatz der Chemischen Keule in Betracht ziehen. Im wesentlichen gilt
hier das
gleiche wie für die Terrarienkultur. Zum Problem werden jedoch oft Vögel (vor
allem Amseln) und
Schnecken. Letztere fühlen sich in Moorbeete äußerst wohl
und richten oft große Schäden an den Pflanzen an; ehe
man hier an
Schneckenkorn denkt, sollte man auch hier wieder biologische Methoden wie die
Bierfalle,
Schneckenringe oder gezielte Anlockung von Schneckenfressern, wie
Igel, in Betracht ziehen. Sonstige
Pflanzenfresser wie z.B. Kaninchen sind
üblicherweise kein Problem; die meisten Karnivoren scheinen ihnen durch
ihren
Gehalt an Bitterstoffen nicht zu schmecken und werden verschont. Das
größte Problem stellen jedoch Vögel,
vor allem Amseln,
dar. Sie betrachten
ein Moorbeet meist als ideales Areal zum Wühlen und als Materiallager für
den
Nestbau. Vor allem Sonnentaue und Fettkräuter sind dadurch bedroht. Zum einen,
weil sie leicht umgepflügt
werden, zum anderen weil die Tiere sie gerne als
Nistmaterial verwenden. Man darf sich nicht über die Ausmaße
täuschen; Eine
Amsel ist ohne weiteres in der Lage, binnen einer Stunde 2 qm zu
durchwühlen. Außerdem
bekommen die Tiere schnell mit, dass sich in den
Schläuchen der Sarracenien Insekten zum bequemen Absammeln
befinden, wobei sie
die Pflanzen oft regelrecht zerfetzen. Abhilfe schafft hier nur ein Vogelschutz,
wobei sich
Maschendraht mit kleinen Maschen bewährt hat. Netze sind nicht
zu empfehlen, weil sich die Vögel oft darin
verfangen, sehr zur Freude der
ansässigen Katzen.
Ein weiteres Problem sind Hagelschauer und Barfröste im
Winter. Während erstere ja zumeist selten sind und die
Pflanzen mit einer einfachen
Abdeckung dagegen geschützt werden können, kommen letztere
häufiger vor. Unter
Barfrost versteht man länger andauernden Frost ohne
schützende Schneedecke. Hierbei ist weniger die Temperatur
ein Problem, da die
meisten winterharten Arten dagegen ohnehin geschützt sind. Die Probleme liegen
vielmehr darin,
dass der gefrierende Boden die Pflanzen auswurzeln kann; ist das
Rhizom z.B. der Sarracenien einmal gefroren, kann
kaum noch etwas die Pflanze
retten. Außerdem bekommen die Pflanzen massive Probleme mit der
Wasserversorgung, da durch die herrschenden Bedingungen sowohl dem Boden als
auch den Pflanzen jede Menge
Wasser entzogen wird, aber zugleich kein Wasser
aufgenommen werden kann, da es größtenteils als Eis gebunden
vorliegt. Die
Pflanzen erfrieren also weniger als dass sie vertrocknen.
Schützen kann
man die Pflanzen dagegen nur,
wenn man sie mit Folie, einem
kalten Kasten oder
Nadelbaumzweigen abdeckt. Eine elegante Methode um auch
etwas frostsensible
Pflanzen wie S. minor, S. psittacina oder D. californica zu schützen ist
das gezielte
Eineisen der Pflanzen; dazu werden sie bewusst unter Wasser
gesetzt, das man dann gefrieren lässt. Das Eis schützt
nicht nur vor der
Austrocknung, sondern auch vor zu niedrigen Temperaturen, da es als schlechter
Wärmeleiter nicht
wesentlich unter 0° abkühlt, vorausgesetzt es ist dick
genug. Leider kann man diese Methode nicht zum Schutz der
gegenüber Barfrösten
besonders empfindlichen Drosera und Pinguicula verwenden; ihre sehr dichten
Hibernakel
können im Gegensatz zu den hohlen Schläuchen der
Sarracenia und
der Darlingtonia dem Druck, den das Eis bei
seiner Bildung erzeugt, nicht
ausweichen und werden leicht zerquetscht. Zudem steigt beim Auftauen die Gefahr
von
Grauschimmel bei diesen Arten beträchtlich.
Abschließend bleibt zu sagen, dass die Gartenkultur von
Karnivoren zwar etwas aufwendiger ist, bei den
winterharten Arten jedoch die
schönsten Erfolge mit sich bringt. Wer hat sich nicht schon mal über
umkippende Sarracenienschläuche geärgert. Auch die Möglichkeit, neben einem
einfachen Kulturraum für Karnivoren ein
komplettes Moorbiotop nachbauen zu
können, sofern man den Platz hat, ist beeindruckend.