Fleischfressende Pflanzen

Karnivorenkultur und -tipps

16. Karnivoren und Winterruhe

Ein leidiges Thema. Grundsätzlich legen alle Pflanzen eine Ruhephase ein, wenn die Bedingungen in den Heimatarealen jahreszeitlich bedingt so ungünstig werden, dass ein Überleben der Pflanze ohne Schutzmaßnahmen gefährdet oder unmöglich ist. Zu den wichtigsten Faktoren gehören Licht, Temperatur und Wasserverfügbarkeit, allein oder in Kombination. Ob diese Ruhephase zum Überleben der Pflanze nötig ist oder nicht, ist von der Art, teilweise auch vom Klon abhängig. Grundsätzlich sollte man jeder Pflanze die Ruhepause gönnen, wenn diese eine einlegt.

Um welche Arten handelt es sich hier eigentlich ?

Es gibt dabei 2 Gruppen, einmal die der Winterschläfer und zum anderen die der Sommerschläfer.

Winterschläfer:
Zu den Winterschläfern gehören alle Arten der nördlichen und südlichen kalt- bis kühl gemäßigten Zonen.

Dies meint alle Gegenden der Erde, die nördlich +40° und südlich -40° geographischer Breite liegen.

Die mittlere Temperatur in diesen Breitengraden sinkt hier im Winter auf +5 bis -30°C, die Tagesdauer auf etwa 6-8 h. Lichtmangel, Temperatur und teilweise durch Bodenfrost bedingter Wassermangel machen ein weiteres Wachstum unmöglich. Um sich vor den feindlichen Bedingungen zu schützen, haben die Arten unterschiedliche Strategien entwickelt. Teilweise bilden sie eine frostharte Winterknospe, ein sog. Hibernakel; dies ist bei den winterharten Pinguicula und den winterharten Drosera der Fall. Die Sarracenia bilden je nach Art ausdauernde, nichtkarnivore Winterblätter (sogenannte Phyllodien wie bei S. flava, S. oreophila), oder stellen das Wachstum ein (alle übrigen Arten). Darlingtonia stellt ebenfalls nur das Wachstum ein. Dionaea bildet bei frostfreien Wintern nur noch kleine Fallen mit breiten, kurzen Blättern aus. Bekommt Dionaea Frost ab, stirbt sie oberirdisch ab und überdauert als sog Zwiebel im Boden. Die Utricularia bilden sofern sie im Wasser leben Winterknospen, die auf den Teich- oder Seegrund herabsinken und dort vor Frost sicher sind; die wenigen terrestrischen Arten in den genannten Klimazonen leben ohnehin soweit im Boden, das Frost sie fast nie erreicht.

Allen Arten dieser Klimazone ist gemeinsam, dass sie eine kühle, aber helle Überwinterung bei ca. 5°C benötigen. Ein frostfreier, ungeheizter Flur oder Keller eignen sich wunderbar dazu. Eine Verringerung der Wassergaben zur Schimmelvermeidung ist zweckmäßig, aber für das Überleben der Pflanzen nicht notwendig. Die Substratfeuchte sollte auf das halbe Niveau des Sommers gesenkt werden. Zwar kann man diese Arten zur Not auch durch kultivieren, das wird aber im Hinblick auf die schwindende Widerstandsfähigkeit gegen Parasiten und Krankheiten bei fehlender Ruhephase jedoch nicht empfohlen. Die Winterruhe fängt Mitte/Ende Oktober, spätestens im November an und dauert etwa bis März. Die Pflanzen sollten in die Winterruhe geschickt werden, wenn sie die Arttypischen Signale für diese geben, siehe oben.

Die Subtropischen Arten wie Dros. binata brauchen meist nur 2 Monate Ruhe bei etwa 10-15°C, aber immer noch sehr hell. Ihre Ruhephase dauert meist von Mitte Dezember bis Mitte Februar, wobei es sich hier um eine Faustformel handelt.

Sommerschläfer:
Bei den Sommerschläfern sind es nicht Kälte und Lichtmangel, sondern Wassermangel der Auslöser für die Ruhezeit. Manchmal ist diese Ruhephase nicht notwendig, aber das ist wie oben Artspezifisch.

Die Arten mit Sommerruhe leben überwiegen in den wechselfeuchten Subtropen. Relative feuchte Jahreszeiten wechseln mit regenlosen ab. Zu dieser Gruppe gehören die mexikanischen Pinguicula und deren Hybriden, alle Knollendrosera und diverse Zwergdrosera. Es würde einfach hier den Rahmen sprengen, die einzelnen Bedingungen auf zu führen, daher sei auf die entsprechenden Kulturhinweise auf der GFP-Homepage verwiesen.

Zu erwähnen wäre noch, das viele subtropische und tropische Arte im allgemeinen keine Winterruhe brauchen. Das diese jedoch immer wieder empfohlen wird, ist eine Anpassung an die Lichtbedingungen im Winter. Pflanzen decken über den Umweg der Photosynthese ihrem gesamten Energiebedarf aus Licht. Daneben sind sie wechselwarme Lebewesen, d.h. ihre Stoffwechselaktivität hängt eng mit der Temperatur zusammen. Die Kombination von wenig Licht mit hohen Temperaturen im mitteleuropäischen Winter führt bei vielen Arten dazu, das sie regelrecht verhungern; sie verbrauchen mehr Energie, als die Photosynthese bereitstellen kann. Indem man sie in dieser Zeit kühler hält, senkt man auch ihren Stoffwechsel und damit ihren Energieverbrauch; ein Trick, mit denen man die Pflanzen ohne Kunstlicht durch den Winter bekommt. Man kann darauf verzichten, in dem man den Pflanzen eine möglichst helle Zusatzbeleuchtung anbietet; die Beleuchtungsdauer sollte nicht unter 12h sinken. Zu beachten ist, das es nicht reicht, einfach mit Hilfe einer Leuchte die Tageslänge zu erhöhen; die Beleuchtungsintensität ist ein ebenso wichtiger Faktor wie die Beleuchtungsdauer. Das muss man beim Kauf und Installation der Kunstbeleuchtung im Hinterkopf haben. Geeignete Leuchtmittel entnehme man bitte den entsprechenden Taublattartikeln, die auch online zu finden sind; siehe Punkt Taublatt auf der GfP-Seite.

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