Fleischfressende Pflanzen

Karnivorenkultur und -tipps

11. Läuse, Schimmel und Co

Auch fleischfressende Pflanzen sind für mache Insekten ein gefundenes Fressen, auch wenn die Normalsituation umgekehrt ist. Zu den Hauptfeinden gehören Schildläuse, Blattläuse und verschiedene Milben, aber auch Trauermücken bzw. deren Larven.

Man kann diese Widerlinge mit verschiedenen chemischen Mitteln bekämpfen, so z.B. Läuse und Milben mit Spruzid, einem verträglicherem Insektizid. Es gibt auch Pflanzenschutzstäbchen (ohne Dünger), die man einfach in das Substrat steckt; durch ihre systematische Wirkung (d.h. der Wirkstoff wird von den Pflanzen aufgenommen und dort abgelagert) sind sie auch wesentlich ungefährlicher für den Anwender als die Spritzmittel und können auch in der Zimmerkultur verwendet werden. Lediglich die Sonnentaue stellen nach einer solchen Behandlung einige Tage die Tauproduktion ein. Nur die Zwergsonnentaue scheinen die Behandlung mit den diversen Spritzmitteln nicht sehr gut zu vertragen.

Bei schwachen bis mäßigen Befall gibt es jedoch Alternativen zur Chemie:

Schildläuse (die besonders gerne Nepenthes und Sarracenien befallen) kann man mit Speiseöl oder Seifenwasser bestreichen; es verstopft die Atemporen der Tiere, sie ersticken und können abgesammelt werden. Die Pflanzen müssen immer wieder kontrolliert werden, da die Schädlinge oft versteckt Eier gelegt haben, die eine Weile später, wenn man sich schon in Sicherheit wiegt, einen erneuten Befall hervorrufen. Meist muss im Abstand von etwa einer Woche bis 10 Tagen zwei mal nachbehandelt werden.

Blattläuse behandelt man durch Besprühen mit einer dünnen Schmier- oder Kernseifenlösung. Die Wirkung ist die gleiche wie oben, nur das man nicht jede Laus einzeln betupfen muss.

(Spinn-)Milben (vermehren sich bei trockener Luft schnell) sind 0,5mm groß und gelblichgrün (Gemeine Spinnmilbe) bis rot (Rote Spinnmilbe). Sie saugen den Zellsaft der Blätter, die allmählich hellgelb werden und vertrocknen. Sie lassen sich meist mit den gleichen Mitteln (Speiseöl/Seifenlauge) wie bei Blattläusen recht gut bekämpfen.

Weichhautmilben sind sehr kleine (0,2mm) Milben, die virosenähnliche Pflanzenschäden bei Nepenthes hervorrufen können. Sie mögen eine hohe Luftfeuchtigkeit und hohe Temperaturen. Bekämpfung mittels Entfernung betroffener Blätter und evtl. Einsatz von Raubmilben.

Fotos von Weichhautmilben-Schäden an Nepenthes

Vorsicht ist allerdings bei den Arten mit Klebfallen geboten, da nicht alle Seifenlösung vertragen. Auch sollte man die Lösung nur an die befallenen Stellen und auch da vorsichtig verwenden.

Alternativ bietet sich auch das Paral-Pflanzenspray an, das von den Karnivoren gut vertragen wird.

Wurzelläuse (Aussehen ähnlich den weißen Schildläusen) treten selten auf, sind aber sehr gefährlich, da sie ja unter der Erde ihr Unwesen treiben. Sie siedeln gern in torfreichen und trockenen Substraten. Ein Bodenaustausch und eine chemische Behandlung sind bei starkem Befall ein notwendiges Übel.

Thripse: Diese etwa 1,5mm großen - auch Blasenfüße genannten - Insekten (und deren Larven) saugen Pflanzensaft aus den Blättern. Die Blätter zeigen zuerst weiße/gelbliche Flecken und Sprenkel und schließlich einen silbernen Glanz. Treten vor allem bei Pflanzen mit Grubenfallen auf. Eine erfolgreiche Behandlung ist - soweit mir bekannt - leider nur mit Chemie zu erreichen.

Trauermücken (5-7mm groß) sind nur dann ein Ärgernis, wenn sie in Massen auftreten; einmal eingewandert, wird man sie kaum wieder los. Man kann ihnen mit verschiedenen Mitteln wie z.B. Neudomück beikommen, oder auch mit Gelbtafeln, wobei diese keine Gifte enthalten. Jedoch ist das nicht immer notwendig. Eine kleine Population kann man jedoch durchaus tolerieren, dienen die erwachsenen Tiere doch den Pflanzen als fliegende Düngetabletten und deren Larven fressen faule Pflanzenteile und Pilzgeflechte. Gefährlich sind übrigens nur die Larven (gleiche Größe) der Trauermücken, da sie die Wurzeln der Pflanzen abfressen, während die erwachsenen Tiere nur Eier legen und darüber hinaus blühende Pflanzen bestäuben. Bei starkem Befall kann man allerdings sehr viele Pflanzen mit abgefressenen Wurzeln verlieren. Ist der Befall einmal so stark, kommt man um Chemie (wegen den versteckten Larven) kaum herum. Um den Befall klein zu halten, kann man sich auch der Pflanzen bedienen:

- Fettkräuter fangen die Alttiere besonders erfolgreich weg, aber auch Sonnentaue mögen sie.

- Den Larven kommt man mit terrestrischen Utricularia bei.

Keine der Kontrollmaßnamen wird die Trauermücken ausrotten, aber sie können den Bestand auf einem verträglichen Niveau halten.

Bei Terrarien tritt oft - wie auch bei anderen feucht zu haltenden Pflanzen (z.B. Orchideen) gerne ein weißer Schimmelflaum auf dem Boden auf. Dieser ist auch auf den Spitzen des Mooses und z.t. an Tontöpfen zu finden. Den Pflanzen geht es trotzdem meist gut. Dem Aussehen und der eigenen Gesundheit zuliebe gibt es folgende Gegenmaßnahmen:
Eine bessere Belüftung hilft meist und sollte generell beachtet werden.
Als vorbeugende Maßnahme (und als zweite Gegenmaßnahme) kann man in der Apotheke erworbene „Schwefelblume“ ganz fein verstäuben. Schwefelblume - für manchen Apotheker und Chemiker besser unter sublimierter Schwefel („Sulfur sublimatum“) bekannt - ist ein blassgelbes, geruchloses, wasserunlösliches, sehr feines Pulver. In der normalen Handhabung ist Schwefelblume harmlos - verschlucken sollte es man jedoch nicht.
Noch einige kleine Tipps: Um das Material besser auszubringen, kann man es im Verhältnis 1:3 mit feinem Quarzsand mischen und das Gemisch mit einem Pinsel verstreuen; man sollte jedoch zu großzügiges einstäuben von Arten mit Klebefallen (Byblis, Drosera) vermeiden.
Für 1-2 Euro erhält man genug „Material“ zum Verteilen. Wichtig ist, das man Schwefelblume kauft; andere Handelsformen des Schwefels sind aufgrund ihrer zu geringen Oberfläche fast wirkungslos. Beachten sollte man, dass Schwefel wie andere Chemikalien auch nicht an Personen unter 18 Jahren verkauft wird.

Bei Grauschimmel, Mehltau und Co kommt man um Fungizide nicht herum. Ist der Befall einmal da, so muss man alle kranken Pflanzenteile bis tief in das gesunde Gewebe entfernen und den Rest mit entsprechenden Mitteln behandeln. Ist eine Pflanze zu stark erkrankt, hilft oft nur das Entfernen dieser Pflanze, um die Weiterverbreitung zu verhindern. Grauschimmel verrät sich durch weiche samtartige graue bis braune Stellen an den Pflanzen, aus denen gräulich-weiße Pilzfäden wachsen. Eine gute luftige Stelle hilft bei der Genesung und als Vorbeugungsmaßnahme.

Die im alternativen Weinbau verwendete Bordeaux-Brühe, eine Aufschlämmung von Calciumhydroxid in einer Kupfersulfatlösung, ist bei fleischfressenden Pflanzen aufgrund der Inhaltsstoffe leider nicht verwendbar.

Der echte Mehltau zeigt sich durch weiße Flecken auf den Blätter; die Pflanzen sehen wie mit Mehl bestäubt aus, daher der Name. Später kann dieses weiße Puder auch eine bräunliche Färbung aufweisen.

Bei den schwarzen Flecken an den Kannen von Nepenthes oder den Schläuchen von Sarracenia handelt es sich um den sog. Rußpilz; er ist übrigens kein Pflanzenschädling, da er nicht in das Gewebe eindringt. Er wächst vielmehr auf mit Nektar benetzten Teilen der Pflanzen, von dem er sich ernährt. Er sieht unschön aus, lässt sich aber durch einfaches Abwaschen (mit Wasser) leicht entfernen. Er schadet den Pflanzen auf keinen Fall. Seine Anwesenheit kann jedoch ein Signal für falsche Kulturbedingungen sein, die den Pilzbefall von Pflanzen fördern können und sollte daher nicht ohne genaue Überprüfung der Pflanzen hingenommen werden.

Fotos von Schimmel an Utricularia

Wie bei vielem, ist auch hier Vorbeugung ist besser als Behandeln. So werden gesunde, kräftige Pflanzen, wesentlich seltener von Schädlingen und Pilzen befallen als geschwächte Exemplare. Das beste Mittel, um die Pflanzen gesund zu halten, ist das Einhalten der optimalen Kulturbedingungen und ggf. der notwendigen Ruhezeiten. Gegen Schimmel hilft es, die Pflanzen keiner stagnierenden Luftfeuchtigkeit bei gleichzeitig zu geringem Licht und Temperatur auszusetzen. Eine weitere Vorbeugungsmaßnahme ist die Entfernung aller abgestorbenen Pflanzenteile. Es sollte noch mal betont werden, das man nur Pflanzen halten sollte, die man auch unter den benötigten Bedingungen kultivieren kann und auf faule Kompromisse bei der Haltung verzichtet. Das klingt an sich selbstverständlich, ist es jedoch manchmal nicht. Durch richtige Auswahl der Pflanzen und auch Verzicht auf die Kultivierung zwar schöner, interessanter Arten, denen man jedoch nicht die richtigen Bedingungen schaffen kann, kann man sich von Anfang an einige Enttäuschungen ersparen. Zumal eine kranke Pflanze immer eine Gefahr für den Rest der Sammlung ist.

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