Fleischfressende Pflanzen

Karnivorenkultur und -tipps

9. Meine Drosera capensis bildet keine Klebetröpfchen - Tipps zur Haltung/Kultur und zu Problemchen

Die Drosera capensis ist vor paar Jahren neben der Venusfliegenfalle und einzelnen Schlauchpflanzen die erste fleischfressende Pflanze gewesen, die über Gartencenter ihren Einzug ins Privatleben begonnen hat.

Der Grund ist einfach: Sie ist fast unverwüstlich - daher für Anfänger sehr geeignet - und sie vermehrt sich hemmungslos!

Auch ich kann die Drosera capensis jedem Anfänger empfehlen, da es auch Spaß macht dieser Pflanze zuzuschauen ("es geht was nach") und sie nicht allzu viel Platz benötigt.

Erst mal zur Kultur:

LICHT: sehr viel Licht (Heimat ist Südafrika), daher Südfenster oder im Freien (jedoch nur im Sommer wegen Temperatur) halten. Werden Zimmerpflanzen im Sommer rausgestellt ist eine langsame Umgewöhnung zu beachten - nicht sofort in die pralle Mittagssonne stellen - das gibt unter Umständen einen "Sonnenbrand" und einen unglücklichen Pflanzenliebhaber.

TEMPERATUR: Warm durchkultivieren (20-25°C) ist die einfachste Methode. Eine Winterruhe bei 10-15°C schadet jedoch auch nichts. Draußen gehaltene Pflanzen haben nichts gegen natürliche Schwankungen (15°C bei Nacht und über 30°C Mittagshitze).

WASSER: nur kalkfreies Regenwasser, entmineralisiertes Wasser oder destilliertes Wasser und natürlich im Anstauverfahren.

BODEN: Ideal ist Weißtorf (ungedüngter Hochmoortorf) mit etwas Sand. Jedoch ist die Pflanze sehr anspruchslos und wächst auch in reinem Weißtorf, reinem Sand, in vorgemischter Karnivorenerde,...

Füttern unnötig und düngen verboten!

Geht es der Pflanze gut ist der Schritt zur Blüte nicht mehr weit:

Die natürliche Blütezeit ist ursprünglich der Sommer Südafrikas. Die Kulturpflanzen bei uns können ununterbrochen über das ganze Jahr hinwegblühen.

Will man die Pflanze über Samen vermehren geht alles ganz einfach:

Kein Bestäuben nötig (Schade - Bienchen spielen ist doch so nett) --> Die Drosera capensis bestäubt sich nämlich von selbst (Fachbegriff: kleistogam).

Zum Auffangen der winzigen, schwarzen Samen hilft eine Tüte. Diese Stülpt man am besten über alle Blüten + einen Teil des Blütenstängels noch bevor die letzte Blüte sich öffnet. Nach einer gewissen Zeit werden die Blüten trocken und irgendwann auch der Blütenstängel (ca. 4-8 Wochen). Den Blütenstängel schneidet man dann ab. Schon bei der leichtesten Berührung fallen die kleinen (0,7mm langen) Samen heraus. Zum Einpflanzen der Samen noch ein paar Worte: Die Drosera capensis ist ebenfalls ein Lichtkeimer, d.h. die Samen auf den Boden aufstreuen und nicht abdecken. Nun ist sehr viel Licht und eine hohe Luftfeuchtigkeit angesagt. Nach 4-6 Wochen sieht man die ersten Minipflänzchen.

Drosera capensis im Terrarium oder Pflanzkübeln,...

Als Monokultur sicher sehr interessant - in Verbindung mit anderen fleischfressenden Pflanzen manchmal ein Problem. Die Drosera capensis verbreitet sich sehr schnell und überwächst kleinere Arten. Daher sollte man eine capensis in einem Terrarium mit anderen Fleischis vom Blühen abhalten oder ein "Verhüterli" verwenden. Die Samen breiten sich sehr schnell und sehr weit aus... ;-)

Für Vermehrungsfreaks gibt es dann noch die Möglichkeit der Blattstecklinge:

Man trennt hierzu ein (gesundes) Blatt ab und zerschneidet den tentakelbesetzten Teil in ca. 1cm - 1,5cm große Stücke. Diese Stücke legt man nun (mit den Tentakeln nach oben) auf feuchte Karnivorenerde. Das Blattstück sollte mit der Unterseite vollständig auf der Erde aufliegen. Nun eine durchsichtige Haushaltsfolie drüber und abwarten. Anstauverfahren, Zimmertemperatur (21-24°C bei mir) viel Sonne (Südfenster) und etwas Geduld werden dann belohnt: Nach 3-4 Wochen sind an der Blattoberfläche "Knubbel" zu sehen. Nach weiteren 2-3 Wochen sind schon 2-3 kleine Fangblätter da und haben 1,5-3cm Durchmesser. Weitere 3-4 Wochen später sind es schon richtig schön ausgebildete, kleine Pflanzen, die "Jagd" auf Mücken machen. Falls noch nicht geschehen: Umpflanzen ins Endgefäß. Schon nach einem halben Jahr hat man von der Größe her fast ausgewachsene Pflanzen.

Erwachsene Pflanzen in Maßen: Bis zu 20cm hoch und bis 25cm im Durchmesser. Normalgröße um die 20cm im Durchmesser.

Neben erfreulichem gibt es auch verschiedene Krankheitsanzeichen und Wehwehchen...

Keine Klebetröpfchen am Sonnentau - was nun ?

Nach dem Kauf: Der Umzugstress (oder folgen falscher Behandlung) wirkt noch. Abwarten und auf neue Fangblätter achten - diese müssten dann nach Erholung wieder Klebetröpfchen haben.

Schon "länger" in Kultur: Meist zu geringe Luftfeuchtigkeit (selten zuwenig Wasser). Oft bilden sich (trotz inzwischen erhöhter Luftfeuchtigkeit) auch auf den alten Fangblättern keine Klebetropfen mehr, man muss auch hier auf neue Blätter warten.

Weitere Möglichkeit: Erstes Anzeichen von Blattläusen. Mehr dazu später im Text.

Gelbbraun werdende Blätter:

Lösung 1: zuviel Mittagshitze, wenn die Pflanze sich noch nicht an die Sommersonne gewöhnt ist (vorher "Wohnungspflanze"). Geht jedoch schnell vorbei.

Lösung 2: (Blatt-)Läuse. Sie sitzen an der Blattunterseite und werden daher meist nicht sofort bemerkt. Untertauchen in Wasser, Pflanzenschutzstäbchen

Braunwerden der Pflanze: Neben Läusen und anderen tierischen Schädlingen sind oft Pilze die Ursache. Dazu gehören Botrytis und Fusarium. Oft kommt leider jede Hilfe zu spät, manchmal hilft noch ein Fungizid.

Allgemeines zum Alter:

Ist mehrjährig. Habe bisher noch keine genaue Altersangabe gefunden wie hoch die Lebensdauer sein kann, jedoch habe ich schon von 15 Jahren gehört.

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