Karnivorenkultur in Torfsubstrat
Die meisten Karnivoren benötigen sauren Boden, wie sie ihn von ihren Naturstandorten in Mooren oder Sümpfen gewohnt sind. Die wichtigsten Pflanzen in den Mooren sind die Torfmoose der Gattung Sphagnum. Wenn Torfmoose sich langsam zersetzen, entsteht Torf. Je nach Zersetzungsgrad zunächst der schwachzersetzte Weißtorf, später der stärker zersetzte Schwarztorf.
Zur Kultur der Karnivoren sollte man versuchen, möglichst schwach zersetzten sauren ungedüngten Hochmoorweißtorf zu bekommen. Auf keinen Fall sollten Sie aufgedüngten oder gar gekalkten Torf verwenden. Die Hochmoortorf läuft im Handel gerne auch als Weißtorf und hat folgende Angaben auf der Packung:
Zersetzungsgrad: "Wenig bis mäßig zersetzt" und entsprechende Kennzahlen "H3-H5" oder "H2-H5"
PH-Wert: 3,0-3,5
Zusammensetzung: "ohne Zusätze" oder "ungedüngt"
Wer mehr plant (z.B. ein Moorbeet): Meist gibt es 50 Liter Säcke extrem günstig.
Wenn Torf erst einmal richtig ausgetrocknet ist, kriegt man ihn nur sehr schwer dazu, wieder Wasser aufzunehmen. Bewahren Sie Ihren Torfvorrat also leicht angefeuchtet auf.
Karnivorenkultur in sandigem Boden
Viele Arten brauchen eine zusätzliche Drainage, die ihnen ein reiner Torfboden nicht bieten kann. Ein üblicher Bodenzusatz ist dann Sand. Bei der Auswahl des Sandes muss unbedingt beachtet werden, dass er kalk- und salzfrei ist.
Hierfür am besten geeignet ist Quarzsand, der in verschiedenen Körnungen zu bekommen ist. Die feinen Körnungen werden zum Sandstrahlen verwendet, die gröberen gibt es als Bodengrund im Aquarienfachhandel. Ganz Feiner (ähnlich Vogelsand) ist nicht geeignet – gut bewährt haben sich von Körnern wie aus dem Sandkasten bekannt bis zu gröberen Sorten. Welchen sie auch verwenden, vor dem Gebrauch sollten sie den Sand auf jeden Fall gründlich auswaschen, d.h. in einem Eimer solange mit fließendem Wasser aufmischen, bis das abfließende Wasser klar ist.
Wenn Sie mit trockenem Quarzsand arbeiten, ist der Gebrauch einer Staubschutzmaske sinnvoll, da das Einatmen des Quarzstaubes nicht besonders gesund für die Lunge ist: siehe auch Silikose.
Spezielle Bodenmischungen
Einige Karnivoren bevorzugen Bodenmischungen mit Vermiculit, Perlit, lebendem Sphagnum, Baumrinde, Komposterde oder anderen Zusätzen. Experimentieren Sie ein bisschen, jedoch sollten Sie sich bei der Zusammensetzung den Bedingungen am Naturstandort orientieren bzw. nicht zu weit entfernen. Leider gibt es keine Patentrezepte, die immer und überall funktionieren.
Moorbewohner (beispielsweise viele Sarraceniaceen und Drosera der gemäßigten Zonen) bevorzugen natürlich meist sehr feuchte, torfhaltige Substrate.
Großblättrige Utricularien sowie viele Nepenthes-Arten wachsen häufig in Regenwäldern oder gar epiphytisch (besonders Utricularien) auf Bäumen. Diese Pflanzen bevorzugen daher lockere, luftdurchlässige Substrate. Orchideen-Substrate bzw. Baumrindenmischungen sind da oft keine schlechte Wahl.
Eine Anzahl mexikanischer Fettkräuter kommt in wechselfeuchten Gebieten zusammen mit stark xeromorphen Pflanzen (an Trockenheit angepasste Gewächse, wie Bromelien oder Agaven) vor. Diese Gebiete zeichnen sich meist durch relativ basische, kalk- oder gipshaltige, dichte Substrate aus. Lehm-Torfgemische haben hier recht gute Erfolge gebracht.
Andere wechselfeuchte Gebiete im Mittelmeerraum (Drosophyllum), Südafrika (Roridula, Drosera) und Australien (Zwerg-, Knollendrosera, Byblis) weisen oft sehr sandige Böden auf. Torfmull-Sandgemische in wechselndem Mengenverhältnis sind hier empfehlenswert.
Karnivorenkultur in Sphagnum
Einige Karnivoren bevorzugen unzersetztes langfaseriges Sphagnum (Torfmoos), bei einigen muss es sogar lebendes Sphagnum sein. Besonders die Gattung Heliamphora wird gerne in diesem Substrat kultiviert, weil es sehr locker und luftdurchlässig ist.
Es kann schwierig sein, lebendes Sphagnum zu kaufen, da es nur wenige Gartencenter führen. Andere Moos-Arten sind als Ersatz auf keinen Fall geeignet. Kaufen Sie kein "Bindemoos" oder ähnliche Produkte.
Denken Sie daran, dass auch einige Sphagnum-Arten von der Ausrottung bedroht sind und dementsprechend unter Naturschutz stehen. Sollten Sie dem Torfmoos mal in der freien Natur begegnen, lassen Sie es dort stehen, wo es ist.
Karnivorenkultur in Kokosfasern
Da Sphagnum teilweise von zweifelhaften Quellen stammt und Torf auch aus der Natur entnommen wird und somit dem Verschwinden von Torfgebieten beigetragen wird, suchen immer mehr Personen nach Alternativen. Kokosfasern sind hier zumindest für Nepentheshybriden schon bei einigen Züchtern mit Erfolg im Einsatz. Bei anderen fleischfressenden Pflanzen ist die Kokosfaser nach aktuellen Erkenntnissen - zumindest in Reinform - nicht geeignet.