Fleischfressende Pflanzen

Karnivorenkultur und -tipps

1. Grundregeln der Karnivoren-Kultur

Grundregeln:

Hier einige grundsätzliche Hinweise, die für den größten Teil der Arten gelten:
- Die meisten Arten brauchen viel Licht! Also volle Sonne - Ausnahmen wie z.B. die Kannenpflanzen bestätigen die Regel.
- Die meisten Arten brauchen ständig nasse Füße!
- Gießen Sie unbedingt mit weichem Wasser (Regenwasser, destilliertes Wasser)!
- Trockene Heizungsluft ist ungesund für Karnivoren - also richtige Luftfeuchte!
- Die Temperatur hat natürlich auch noch etwas zu sagen: Je nach Herkunft der Pflanze muss sie entsprechend sein.
- Bei Gartenkultur achten Sie ein bisschen auf Schutz vor starken Winden.
- Verwenden Sie auf keinen Fall normale Blumenerde!
- Auf keinen Fall düngen! Auch hier gibt es Ausnahmen: Einige Arten vertragen eine sehr leichte Düngung.
- Überfüttern Sie ihre Pflanzen nicht!
- Vorsicht mit Insektensprays!
- Ärgern Sie Ihre Venusfliegenfalle nicht!

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Nun etwas ausführlicher:

Licht

Vielleicht als Folge der Spezialisierung auf Carnivorie benötigen die meisten fleischfressenden Pflanzen eine große Menge Licht - viele wollen volle Sonne. Sie ist für sie lebenswichtig. Sofern Sie kein Süd-/Südwestfenster, Gewächshaus oder eine andere geeignete Aufstellungsmöglichkeit haben, brauchen Sie ein hell erleuchtetes Terrarium. Zur Beleuchtung sollten Sie mindestens 4 Leuchtstoffröhren etwa 20 cm über den Pflanzen positionieren. Erfahrungsgemäß sind teure "Wachstumslampen" nicht besser als übliche kühl-weiße Leuchtstoffröhren.
Verwenden Sie keinesfalls normale Glühbirnen, da sie bei weitem zu viel Hitze und zu wenig Licht erzeugen.

Niederdruck-Natrium- und Quecksilberdampflampen sind ungeeignet. Manche Züchter verwenden Metalldampf-Halogenlampen, doch erzeugen diese Lampen häufig ein beträchtliches UV-Spektrum, so dass Schutzmaßnahmen erforderlich werden. (In den USA bekamen Anwender solcher Lampen schon Besuch von Drogenschutzbehörden, da durch den hohen UV-Pegel die Alkaloid-Produktion in Drogenpflanzen angeregt werden kann und ein entsprechender Verdacht bestand...)

Sehr gut geeignet sind Natriumdampf-Hochdrucklampen, sie haben das bestmögliche Verhältnis von Stromverbrauch zu Lichtintensität, außerdem ist die Lebensdauer sehr hoch. Sie sind allerdings nicht ganz billig.

Im Taublatt ist der Artikel "Erfahrung mit verschiedenen Leuchtmitteln" von Ansgar Rahmacher erschienen

Substrat

Als Substrat (= "Boden") wird meist ein Torf-Sand-Gemisch verwendet. Ausführliche Beschreibung hier: Karnivorenhaltung in verschiedenen Böden/Substraten

Wasser

Reines Wasser ist für Karnivoren lebenswichtig, sie sind es von ihren Naturstandorten her gewohnt. Das Leitungs- oder auch Brunnenwasser, das uns zur Verfügung steht, enthält in den meisten Fällen viel zuviel gelöste Bestandteile, vor allem Calcium. Wenn Sie mit Leitungswasser gießen, wird dieses Calcium ihre Pflanzen mit der Zeit umbringen.

Für eine kleinere Sammlung im Terrarium ist es besser, sich destilliertes (teuer) oder deionisiertes Wasser zu besorgen. Auf die Dauer und bei großen Sammlungen, kann es sich lohnen, eine kleine Umkehrosmoseanlage zu installieren. Andere "Wasserenthärter" bzw. "Filter" sind nicht gut geeignet, da die meisten von ihnen nur das Calcium durch andere Stoffe austauschen.

Regenwasser ist teilweise auch nicht mehr das, was es mal war. Es enthält einige Stoffe, die für Pflanzen schädlich sein können. In der Regel ist es aber gut brauchbar. Für den Anfang die Empfehlung: Benutzen Sie Regenwasser, sofern Sie darüber verfügen.

Übrigens: Der Unterschied zwischen destilliertem und deionisiertem Wasser liegt in der Art der Aufbereitung. Destilliertes Wasser ist kondensierter Wasserdampf, während deionisiertes Wasser über Ionenaustausch-Verfahren seines Ionengehaltes entledigt wurde. Somit ist auch der enorme Preisunterschied deutlich: Energie- und Zeitaufwand sind zur Destillation ungleich größer. In der Praxis ist deionisiertes Wasser völlig ausreichend.
Aquatische Utricularien sollten nicht in ein Becken mit destilliertem Wasser gesetzt werden - hier ist (sauberes) Regenwasser wesentlich besser geeignet.

Einige Fleischi-Liebhaber bei denen Regenwasser nicht "greifbar" ist und über die Preise des destillierten Wassers erschüttert waren, haben zum Wasser von Wäschetrocknern (genauer gesagt: Kondenstrocknern) gegriffen. Es scheint zu klappen. Die Gefahr ist jedoch, dass evtl. vorhandene Waschmittelreste sich im Wasser befinden können - und das mögen die Karnivoren gar nicht. Daher ist dieser Tipp mit großer Vorsicht zu genießen und auf eigene Gefahr!

Wie nass soll der Boden sein, wie hoch soll das Wasser stehen? Bedenken Sie, dass die meisten Karnivoren aus Mooren oder Sümpfen stammen. Der Wasserbedarf ist also hoch. Einige Arten brauchen eine Trockenzeit, wie etwa Zwiebeldrosera (nur in Fachgeschäften und bei Sammlern erhältlich), aber die meisten mögen es nass, nass, nass. Am besten stellen Sie die Töpfe in einen Untersetzer, in dem ständig ein paar Zentimeter hoch Wasser steht (= Anstauverfahren). Bei Nepenthes füllen Sie erst nach, wenn der Untersetzer ausgetrocknet ist.

Luftfeuchtigkeit

Die meisten Karnivoren benötigen hohe Luftfeuchtigkeit. Bei Kultur in einem Terrarium werden sich etwa 50-90 % relative Feuchte einstellen, ein akzeptabler Bereich für die meisten Arten. Zur Vermeidung von Schimmelbildung sollte man allerdings das Terrarium nicht komplett abdecken oder gar hermetisch versiegeln. Ein bisschen Luftzirkulation ist für alle Pflanzen lebenswichtig. Besonders nordamerikanische Pinguicula-Arten scheinen viel frische Luft zu benötigen, während sich Nepenthes in stehender, relativ feuchter-nasser Luft sehr wohl fühlen. Eine Luftfeuchte von ca. 60-65% wird in offenen Terrarien meist erreicht.

Folgende Werte können als sehr grobe Richtlinie dienen (sind also mit etwas Vorsicht zu genießen --> Ausnahmen bestätigen die Regel!):
trockene Luft - unter 40%: Roridula
normale Zimmerluft - zwischen 40 und 60%: viele Drosera, Drosophyllum, Pinguicula und Sarracenia, am oberen Wert zu halten wären noch Cephalotus und Dionaea.
relativ feucht - zwischen 60 und 80% mögen es tropische Drosera, Genlisea, Heliamphora, einige Pinguicula und Utricularia.
nass - also über 80% ist nur von Nepenthes erwünscht.

Temperatur

Hohe Feuchtigkeits- und Lichtbedürfnisse der Karnivoren veranlassen viele Züchter zur Terrarienkultur. Sofern die Maximaltemperaturen nicht überschritten werden, ist dies eine gute Methode. Anfänger versuchen es am besten zuerst mit tropischen Arten, die Temperaturen bis über 35°C vertragen. Das Problem besteht darin, den Pflanzen soviel Licht wie möglich zu geben, ohne sie zu überhitzen. Eine Methode besteht darin, die Leuchtstoffröhren zur Terrarienbeleuchtung ein paar Zentimeter über einer Glasscheibe zu platzieren. Ein kleiner Lüfter kann zudem die Wärme der Röhren und ihrer Drosseln abführen. Von direkter Sonne beschienene Terrarien überhitzen sich sehr schnell, so dass hier große Vorsicht geboten ist. Bei offenen Terrarien entsteht dieses Problem im Normalfall nicht.

Tropische Karnivoren sind nicht winterhart, während Pflanzen subtropischer Gebiete schon mal ein paar Frostgrade aushalten können. Dies erklärt, warum auch Sarracenien und Darlingtonien bei uns teilweise im Freien ganzjährig gehalten werden können, wobei eine Winterabdeckung als Schutz vor allzu langem und hartem Frost anzuraten ist.

Schwierigkeiten bereiten immer wieder Hochland-Arten: Für sie sind unsere Nächte (im Sommer) meist zu warm, während am Tage die Lichtintensität zu gering ist, beziehungsweise bei voller Besonnung wiederum die Temperaturen zu hoch ansteigen. Außerdem fehlt den Pflanzen oft der intensive UV-Pegel der tropischen Höhenlagen. Zu diesen UV-Liebhabern zählen insbesondere einige Nepenthes-Arten, aber auch Heliamphoren, Darlingtonien und Brocchinien. (Man kennt es ja selbst aus dem Bergurlaub: Sonnenbrand durch hohe Lichtintensität trotz kühler Temperaturen).

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