Fleischfressende Pflanzen

Utricularia (Wasserschlauch)

Es existieren weltweit mehr als 220 Arten von Utricularia. Die Einteilung erfolgt in:
- aquatische Arten
- semi-aquatische Arten
- terrestrische Arten
- epiphytische Arten
Die Variationsbreite dieser artenreichsten karnivoren Gattung ist enorm. Die epiphytischen Utricularia zum Beispiel bilden teilweise Speicherknollen aus, mit denen sie kürzere Trockenphasen überstehen können. Es gibt sogar eine terrestrische Art, die Knollenzwiebeln bildet und so über sechs Monate völlige Trockenheit übersteht. Während andere Arten vollkommen im Wasser leben und winterhart sind. Die aquatischen Utricularien machen die Größte Gruppe aus, es folgen dann die terrestrischen Utricularien. Allen Arten gemeinsam ist, daß diese Pflanzen anstelle der Wurzeln ein Geflecht aus kleinen Saugfallen besitzen.

Eine Besonderheit der Utricularien sind ihre Blüten, die, wenn auch teilweise sehr klein, doch durch ihre Farbenpracht und Form stark an Orchideen erinnern. Ansonsten sind die Utricularien sehr unscheinbar, da sich die Fangapparate meist im Erdreich befinden.

Diese Fallen sind, je nach Art, mikroskopisch kleine, bis 1 cm große Blasen mit Unterdruck. Diese Blasen besitzen eine Klappe, die über Reiznerven mit einigen kleinen Auslösungshärchen verbunden sind. Sobald ein kleines Wasser- oder Bodeninsekt dieses Härchen berührt, öffnet sich diese Klappe in Bruchteilen einer Sekunde und das Opfer wird eingesaugt. Diese Bewegung ist die schnellste im Pflanzenreich überhaupt und übertrifft selbst das Zuschlagen der Venusfliegenfalle an Geschwindigkeit. Sobald die Pflanze verwertbare Nahrung erkannt hat (wie bei Dionaea und Aldrovanda), wird die Blase zum Magen umfunktioniert und die Produktion der Verdauungsenzyme beginnt. Der Verdauungsvorgang dauert auch hier je nach Größe der Beute Stunden oder Tage. Zum Schluss baut sich der Unterdruck wieder auf und die Blase ist zu neuem Fang bereit.
Hinweis: Vor ein paar Jahren wurde die Gattung Polypompholyx zu Utricularia angegliedert.

Kultur:
Die Kultur der meisten Utricularien ist nicht besonders schwierig. Wie auch bei allen anderen Karnivoren ist das kalkfreie Wasser das Wichtigste. Utricularia mag es hell, will aber keine direkte Sonne. Die Vermehrung der Pflanzen wird meist durch Teilung praktiziert.

Aquatische Arten: Die aquatischen Arten sind aquariengeeignet, einige winterharte Arten kann man auch problemlos im Gartenteich halten, z.B. Utricularia vulgaris. Als die einfachste aquatische Art gilt übrigens Utricularia gibba.

terrestrische und semiaquatische Arten: Die terrestrischen und semi-aquatischen werden in immer feuchtem bis überschwemmtem Torfsubstrat kultiviert. Generell ist eine hohe Luftfeuchtigkeit (wie bei den meisten Karnivoren) und ein etwas schattierter Platz zu empfehlen. Die kleinblättrigen und subtropischen Arten Utricularia livida und U. sandersonii gelten hier als ideale und pflegeleichte Einsteigerpflanzen. Zudem erfreuen sie den Besitzer meist das ganze Jahr mit einem regelrechten Blütenteppich. Wichtig: Mehrere Arten in einem Terrarium enden recht schnell in einem untrennbaren "Utri-Salat".

Epiphytische Arten: Die Epiphyten unter den Utricularien (z.B. U. alpina)sollten einen zwar stets feuchten, aber luftigen und relativ warmen Standort bekommen, da dies meist tropische Arten sind. Als Substrat wird oft reines Sphagnum-Moos genommen.