Die Gattung Sarracenia gehört wohl zu den bekanntesten Karnivoren. Sarracenia wurde zum ersten mal im Jahr 1601 von Clusius beschrieben und bekam 1731 (nach Dr. M. Sarrazin; 1659-1734) ihren heutigen Namen. Über 60 Jahre später wurde der Verdacht geäußert, daß diese Pflanzen Insekten fangen. 1887 folgte dann schließlich der Beweis der Karnivorie.
Ihre 8 Arten und etliche Unterarten sind im östlichen Nordamerika zuhause. Sarracenia ist von Südost-Kanada bis nach Florida zu finden. Einige Arten wurden nach Europa (Irland und Schweiz) verschleppt und ausgewildert - besonders Sarracenia purpurea ssp purpurea. Die Schlauchpflanzen sind aufgrund ihrer Heimatgebiete z.t. voll winterhart (z.B. S. flava und S purpurea) bzw. bedingt winterhart. Sie sehen wie Büschel aufrecht stehender Trompeten aus. Die Sarracenia bilden rosettig angeordnete, schlauchartige, oft bedeckelte Blätter, die aus einem fingerdicken Wurzelrhizom heraus produziert werden. Bei den meisten Arten stehen diese Schläuche bis zu 100 cm senkrecht in die Höhe. Die Pflanze hat keine beweglichen Teile, vielmehr fängt sie Insekten, indem sie sie nicht mehr aus dem glatten Schlauch entkommen läßt, wenn sie einmal hineingefallen sind. Sarracenia alata, S. flava, S. minor und S. rubra sind hier typische Arten. Einige wenige Arten weichen von der röhrenartigen, aufrecht stehenden Form ab und haben sich auf bestimmte Beutetiere spezialisiert (z.B. S. psittacina).
Die Schläuche besitzen wie die Nepenthes einen wachsbeschichteten Kragenrand, auf dem angelockte Insekten ausrutschen und in den Schlauch hinabgleiten. Dieser Schlauch ist mit Verdauungssekreten gefüllt und von innen mit nach unten gerichteten Haaren versehen, die ein Entkommen der Beute unmöglich machen. Am Kragenrand und am Deckel wird Nektar als Lockmittel produziert. Sarracenia gehört zu den effektivsten Insektenfängern überhaupt. Da bei uns in Kultur oft viele Insekten sich auf wenige Schläuche "verteilen", sind die Schläuche oft schon nach ein paar Tagen randvoll mit Insekten (Schnaken, Schwebfliegen, Stubenfliegen, Wespen,...). Dies kann dazu führen, daß die Schläuche abknicken oder die Beute zu schimmeln beginnt, bevor sie vollständig mit Verdauungssaft überzogen wurde. Manche Arten erzeugen eine ganze Reihe von chemischen Substanzen, z.B. Verdauungsenzyme, Netzmittel oder Narcotica. Andere (urtümlichere Arten wie S. purpurea) bedienen sich der Bakterientätigkeit, um ihre Beute zu verdauen. Daher ist S. purpurea die einzige Art, deren (deckellose) Schläuche in Kultur mit Wasser gefüllt werden müssen.
Deckel und Schläuche dieser Arten sind sehr unterschiedlich geformt, ausgebildet und gefärbt. Daher lassen sich die meisten Arten sehr gut voneinander zu unterscheiden.
Alle Arten (selbst S. purpurea) sind aufgrund großflächiger Zerstörung ihrer Lebensräume gefährdet. Sarracenia ist deshalb leider vom Aussterben bedroht und muß durch die Washingtoner Artenschutzliste geschützt werden Neuerdings machen Aufsammlungen von Schläuchen für floristische Zwecke neue Probleme! Einige Standorte sind durch übermäßige Absammlung ausgelöscht.
Die Pflanzen benötigen während der Blüte Hilfe bei der Bestäubung. Danach dauert es ein gutes halbes Jahr, bis die Samen reif sind und sich die Samenkapsel öffnet. Bis man eine erwachsene, blühfähige Pflanze besitzt dauert es 4 -5 Jahre. Eine Rhizomteilung zur Vermehrung ist ebenfalls möglich.
Die Arten - Kurzübersicht:
S. alata:
Bis 70cm hohe Pflanze aus Alabama, Louisiana, Mississippi und Texas mit hellgelben bis weißen Blüten. Bildet keine Phyllodien aus und ist nur bedingt winterhart.
S. flava:
wahrscheinlich die Schlauchpflanze mit den größten Schläuchen (bis 1m hoch). Schläuche in allen Farben (grün, gelb, rot, gemustert,....). Die Blüte ist gelb. Kommt in Alabama bis Florida vor. Ist in der Regel winterhart.
S. leucophylla:
Bis 80cm hohe Schläuche mit charakteristischen weißen Flecken am oberen Schlauchende. Bildet sehr spät Schlüche (Phyllodien werden oft noch im Sommer gebildet). Rote Blüten. Heimat ist Florida, Georgia und Mississippi - daher nur bedingt winterhart.
S. minor:
kleinere Pflanze mit Schläuchen bis 45cm Höhe und helmartigen Deckel, der durchsichtige Fensterchen besitzt. Heimat ist Carolina und Florida, daher nicht winterhart.
S. oreophila:
Alabama und Umgebung. Sehr selten (Anhang I des WA). Gelbe Blüten. Mag es etwas trockener und ist voll winterhart.
S. purpurea:
20-25cm lange, gedrungene Schläuche die am Boden liegen und keinen Deckel besitzen (einzige Art ohne Deckel). Sehr weit verbreitet. Die im Norden vorkommende Unterart S. purpurea ssp. purpurea ist extrem winterhart (-30°C kein Problem). Rote Blüten. Ideale Anfängerpflanze.
S. psittacina:
An Boden liegende, längliche Schläuche mit einem Deckel, der den Schlauch fast komplett schließt (kleine Öffnung nach Unten). Der Schlauch besitzt innen besonders lange, nach unten gerichtete Haare --> Reusenfalle. Mag es sehr naß, .zeitweise auch überflutet. Heimat ist Georgia, Florida und Lousiana, daher bedingt winterhart.
S. rubra:
Bedingt winterharte Pflanze aus Carolina und Florida.
Kultur:
Sarracenien lassen sich in vielerlei nährstoffarmen Substraten halten. Allgemein ist ein torfiges, gut durchlüftetes Substrat wichtig. Oft wird ein Torf-Sand-Gemisch 3:1 oder 2:1 verwendet. Wie alle anderen Karnivoren auch reagieren sie negativ auf Kalk im Gießwasser. Daher sollten sie möglichst nur Regenwasser oder entsalztes, destilliertes Wasser erhalten. Der Boden sollte im Sommer immer feucht bis naß sein (Anstauverfahren). Ab Herbst/Winter, wenn nur noch die sogenannten Phyllodien (Nebenblätter) produziert werden, sollte man das Erdreich trockener halten.
Kultivieren kann man Sarracenien in Gewächshaus, vor der Fensterbank, im Balkonkasten oder im Moorbeet im Garten. Im Gewächshaus oder vor der Fensterbank kann die Kultur in einzelnen in nicht zu kleinen Töpfen erfolgen. Die Pflanzen wachsen besonders gut, wenn sie einen großen Wurzelballen bilden können. Im Balkonkasten oder im Moorbeet sollte man die Sarracenia auspflanzen.
Insgesamt kann man sagen, je sonniger, desto besser.
Alle Sarracenien verlangen eine strenge Winterruhe mit verminderter Feuchtigkeit und Temperaturen um 5 - 8°C. S. oreophila, S. flava, und S. purpurea ssp. purpurea ertragen während des Winters sogar tiefe Fröste.
Alle Arten dieser Gattung erreichen im Alter eine stattliche Größe und sind daher nicht auf Dauer für Terrarien geeignet.
Weitere Informationen zur Sarracenia-Aussaat sind auch in folgendem Artikel des Taublatt, unserer Vereinszeitschrift, zu finden.
Siehe: G.F.P. -> Mitteilungsorgane -> Das Taublatt.