Fleischfressende Pflanzen

Dionaea (Venusfliegenfalle)

Dionaea muscipula, die Venusfliegenfalle, ist die wohl bekannteste fleischfressende Pflanze. Sie kommt aus den Moorgebieten rund um die Stadt Wilmington, USA (Grenzgebiet North-Carolina / South-Carolina). Die Erstbeschreibung fand 1768 durch John Ellis statt. In diesem Gebiet gibt es auch einen Winter, d.h. die Venusfliegenfalle ist bedingt winterhart und kann leichten Frost unbeschadet überstehen. Die Pflanze stirbt in einem frostigen Winter oberirdisch vollkommen ab und im Erdreich bleibt nur ein zwiebelähnliches, knolliges Gebilde übrig, aus dem im Frühjahr neues Leben quillt.

Die Venusfliegenfalle ist eine rosettenbildende Pflanze mit bis zu 20 cm Durchmesser. Am Ende eines jeden Blattes bildet sich ein bis 3-4 cm großer Fangapparat. Dieser Fallentyp besteht aus zwei lang gezahnten Blatthälften, die sich bei viel Sonnenlicht herrlich dunkelrot färben. Auf ihren Innenseiten befinden sich jeweils drei kleine Fühlborsten. Diese lösen das Zusammenklappen der Blatthälften aus, wenn man sie zweimal kurz hintereinander berührt. Sind die Bedingungen günstig und ist die Pflanze "hungrig", kann dieser Vorgang in etwa einer zwanzigstel Sekunde ablaufen, was eine der schnellsten Bewegungen im Pflanzenreich darstellt.
Wenn Sie eine genaue botanische Beschreibung des Fangvorganges wollen, dann siehe hier.

Sprechen nach dem Schlieflen der Blatthälften Eiweiflrezeptoren positiv an (wenn also "echte" Beute gemacht wurde), produziert die Pflanze Verdauungssekrete, die die Beute je nach Größe in Stunden oder Tagen verdauen. Eiweiße und andere abbaubare Stoffe werden aufgelöst und durch andere auf den Blattinnenseiten befindliche Drüsen eingezogen. Nach Abschluß dieses Vorgangs öffnet sich die Falle wieder und nur der leere Chitinpanzer der Beute zeugt noch davon, daß hier ein Insekt einer Pflanze als Nahrung gedient hat.

Die einzelne Falle ist in der Lage, sich bis zu sieben Mal zu schließen, danach stirbt sie ab. Man sollte ein Blatt also nicht allzuoft künstlich reizen.

In ihrer amerikanischen Heimat ist Dionaea muscipula von der Ausrottung bedroht. Unglücklicherweise gibt es noch immer Sammler, die sich selbst durch Androhung hoher Geldstrafen nicht davon abgehalten lassen, die Pflanzen aus der Natur zu entnehmen. Auch die zunehmende Zerstörung der Landschaftsräume ist ein Problem.

Kultur:

Die Kultur dieser interessanten und schönen Pflanze ist recht einfach, wenn man folgende Punkte beachtet: Das Gießwasser mufl möglichst kalkfrei sein und sollte daher kein normales Leitungswasser sein. Auch abgestandenes Leitungswasser ist meist nicht geeignet. Am besten benutzt man Regenwasser oder entsalztes Batteriewasser, was man billig in jedem Supermarkt (oder Tankstelle) bekommen kann. Ebenso gut funktioniert destilliertes Wasser.

Als zweites sollte das Pflanzsubstrat leicht sauer sein, was auch dem natürlichen Standort dieser Pflanze entspricht. Hier ist reiner Hochmoortorf geeignet, der mit verschiedenen Dränagezusätzen (Quarzsand, Perlit, Vermiculit) versehen werden kann, was eine Fäulnis der Pflanze verhindert. Das Substrat sollte im Sommer immer feucht-naß sein: etwas Wasser im Untersetzer (Anstaumethode) ist ideal. Im Winter während der Ruhe natürlich etwas trockener (aber nie richtig trocken). Ein vollsonniger Standort auf der Fensterbank (Südfenster) in einem Untersetzer mit Wasser oder draußen im Moorbeet im Garten wären ideal.

Nur bei genügend Licht färben sich die Fallen schön aus.

Eine Winterruhe (ist Pflicht) bei Temperaturen von 5-10 Grad C ist ideal, über 15 Grad C sollten vermieden werden - leichte Fröste bis -10 Grad C werden von älteren Pflanzen ebenfalls vertragen. Von einem Durchkultivieren ist abzuraten, da dies letztendlich oft zum Tode der Pflanze führt.

Durch die Blüten wird die Pflanze sehr geschwächt, wenn man also nicht auf Samen aus ist, sollte man sie bei jüngeren bzw. schwächeren Pflanzen abschneiden. Um Samen zu erhalten ist für eine Bestäubung in der Regel eine zweite Pflanze notwendig. (Manchmal ist Dionaea auch selbstfertil.)


Viele weitere Informationen zur Venusfliegenfalle sind auch in unserer Venusfliegen-FaQ, einer Sammlung von Antworten auf häufig gestellte Fragen, zu finden.

Thema FAQ, allgemein: siehe unter: Fleischfressende Pflanzen -> Allgemeines -> Karnivorenkultur und -tipps.


Zum Schluß noch eine kleine Anekdote, übersetzt aus: Aphrodite's Mousetrap, 1990, Nelson and McKinley. Viel Vergnügen!

"Der Insektenfang wird vollführt, indem die Insekten mit Hilfe von Nektar zu den zweiblättrigen Fangblättern gelockt werden, welche über der Beute zuschnappen. Dionaea muscipula ist die einzige Species in der Gattung.

Warum der Name Venusfliegenfalle? Das gefundene Fressen für die Boulevard-Presse, welche suggerieren möchte, dass die Venusfliegenfalle auf Meteoriten herbeikam. Jedoch müssen wir einen Blick auf die puritanischen, wenn auch obzönen, Kolonial-Botaniker werfen, die die Neue Welt entdeckten, um die Herkunft des Namens zu finden. Ein kürzlich erschienener Bericht hat offenbart, dass die Form, die anziehenden Eigenschaften und das aufregende Verhalten von Dionaea sie an weibliche Genitalien erinnerte. Tut mir leid, aber ich habe das nicht erfunden."

Original-Text:

"Insect capture is performed by attracting the insects with nectar to bilobed leaves, which snap shut upon the prey. Dionaea muscipula is the only species in the genus. Why the name Venus Fly Trap? Those hopeful for tabloid headlines have suggested that Venus Fly Traps arrived on meteorites. But for the origin of the name we must look to the puritanical, yet bawdy, colonial botanists who explored the new world. A recent historical account has revealed that the form, attractive properties, and amazing behavior of Dionaea reminded them of female genitalia. . Sorry, but I didn't make this up."