Fleischfressende Pflanzen

Cephalotus (Zwergkrug)

Eine kannenbildende Gattung, die 1791 durch Archibald Menzies entdeckt wurde, ist die monotypische Cephalotus. Ihre einzige Art Cephalotus follicularis ist in den Küstengebieten des Süd-Südwestens Australiens (400km langer und 50km breiter Küstenstreifen zwischen Albany und Busselton) mit mediterranem Klima zu finden. Auch sie steht auf der Washingtoner Artenschutzliste und ist vom Aussterben bedroht.

Sie ist eine rosettenbildende Pflanze, die zwei Arten von Blättern besitzt: Im Winter und im Frühjahr werden ganz normale Laubblätter produziert, die denen eines Usambaraveilchens ähneln. Die kurz gestielten, 3 cm (bis max. 5 cm) großen Fangkannen (mit Verdauungsflüssigkeit gefüllt), die rosettig am Boden liegend angeordnet sind, werden nur im Sommer und im Herbst gebildet. Diese Kannen sind bedeckelt, stark behaart und färben sich im Sonnenlicht sehr schön hell- bis dunkelviolett. In der Kultur ist wichtig, daß im Winter die Beleuchtungsdauer wesentlich verkürzt wird und diese im Frühjahr wieder ansteigt. Ansonsten kommt die Pflanze mit der Blattproduktion durcheinander - es werden dann manchmal nur noch Laubblätter produziert. Durch die rosettige Anordnung sieht die Cephalotus mit ihren Kannen wie eine am Boden sitzende Spinne aus. Einige Leute erinnern die Kannen an kleine Schuhe, von anderen wird die Pflanze mit den Blüten mancher Orchideen wie Paphiopedilum oder Cypripedium (Frauenschuh) verglichen.

Der Beutefang läuft gleich dem der Nepenthes ab. Einziger Unterschied: Cephalotus fängt und verdaut hauptsächlich kleinere Bodeninsekten wie Ameisen. Diese werden durch Nektar am Peristom angelockt und rutschen über das glatte Peristom in den Krug. Durch die glatten Wandung und die etwa 24 nach unten gerichteten Zähnchen des Peristoms ist ein entkommen unmöglich.

Die Blüten sind selbststeril, d.h. es wird eine 2. Pflanze zur Befruchtung benötigt. Es hat sich jedoch gezeigt, daß die Samen von Cephalotus schlecht keimen. Zur Vermehrung sind Blattstecklinge die erste Wahl. Hier bieten sich die nichtkarnivoren Winterblätter geradezu an. Weiterhin ist die Vermehrung über Teilung möglich.

Die Kultur der Cephalotus galt bis vor ein paar Jahren als extrem schwierig. Heute ist aber bekannt, daß man diese Art ähnlich wie Drosera in einem torfigen, mehr oder weniger stark dränierten Substrat unter leichter Anstaubewässerung kultivieren kann. Cephalotus ist aber immer noch nicht ganz einfach und "ärgert" seine Besitzer oft mit sehr langsamen Wachstum.

Kultur:

Im Sommer empfehlen sich Temperaturen von 20-25°C, das Pflänzchen ist jedoch vor heißer Nachmittagssonne mit Temperaturen über 35°C zu schützen. Nachts wird etwas kühler bevorzugt und im Winter bevorzugt die Pflanze eine kühle Überwinterung bei Temperaturen von ca. (5°C -) 10-15 °C. Als Standort ist das Südfenster geeignet. Viel Sonne färbt die grünen Krüge hell- bis dunkelviolett. Im Winter: ebenfalls Südfenster. Künstliche Beleuchtung sollte man meiden (die Pflanze braucht kürzere Photoperiode um den Winter „zu erkennen“.
Noch kurz zum Thema Wasser: generell kalkfreies Wasser. Im Sommer leichte Anstaubewässerung und im Winter die Wassergabe einschränken (der Boden sollte aber immer leicht feucht sein). Eine Luftfeuchtigkeit zwischen 50% und 70% ist zu empfehlen. Bei zu niedriger Luftfeuchte senkt sich das Deckelchen zum Krug hin.
Als Substrat empfehlen die meisten Personen ein Torf-Sand Gemisch (meist 2:1). Zum Teil wird auch ein Sand-Sphagnum-Gemisch 1:1 oder 1:2 verwendet. Ebenfalls hat sich reiner Torf bewährt. Tiefe Töpfe (min. 15cm) sind wichtig. Umtopfen - falls notwendig - Anfang Frühjahr oder im späten Herbst.
Schädlinge: sehr selten Läuse.
Manchmal legen die Pflanzen eine Wachstumspause ein, die einige Wochen bis Monate dauern kann. Eine Wachstumshilfe über "Milchdüngung" führt bei Cephalotus im Normalfall zum Absterben der Krüge.