Autor: Andreas Fleischmann
Die Gattung Byblis (Regenbogenpflanze) besteht aus 5 Arten:
B. gigantea als langlebende (mehrjährige) Art und den kurzlebigen (meist einjährigen) Arten aus dem tropischen Norden Australiens gehören B.aquatica, B.filifolia, B. liniflora und B.rorida.
Interessanterweise sind diese Pflanzen mit den Fettkräutern (Pinguicula) verwandt.
B.liniflora ist die kleinste der annuellen Arten, sie erreicht etwa 5 bis 20cm Höhe, die Blüten sind hellviolett, die Staubblätter sind in etwa gleich lang wie der Griffel, es ist an einer Pflanze immer nur eine Blüte geöffnet. Diese Art ist selbstfertil, benötigt aber dennoch eine künstliche Bestäubung mit einem Pinsel oder ähnlichem. Die Pflanze bildet dabei allerdings im Gegensatz zu den anderen 3 tropischen Arten recht viel Pollen (der bei Berührung der Staubgefäße regelrecht herausstaubt), die Bestäubung ist daher einfach und der Samenansatz sehr gut. Leider sind die weiteren tropischen Arten (nach eigener Erfahrung) selbststeril, man benötigt also immer mindestens zwei verschiedene Pflanzen, um Samen zu bekommen.
B.aquatica bevorzugt nasse bis halbaquatische Standorte, sie erreicht Längen bis zu 45cm, allerdings nicht aufrecht, wie die anderen Arten, sondern niederliegend, oder auf dem Wasser schwimmend. Die Blüten sind dunkelviolett (purpurfarben), der Griffel kürzer als die Staubblätter. (Die Längen der männlichen und weiblichen Blütenteile zueinander sind ein wichtiges Kriterium zur Unterscheidung der Arten, da vor allem B.filifolia im Aussehen extrem variabel ist, und leicht den anderen Arten ähneln kann. Deswegen diese Erbsenzählerei.) Allerdings ist bei B.filifolia der Griffel immer deutlich länger als die Staubblätter (er überragt diese um ein gutes Stück, die Blüte ähnelt daher denen unserer einheimischen Storchenschnabel-Gewächse), die Blüten sind viel größer (bis 2,5 cm Durchmesser), die Pflanze kann eine Höhe von bis zu einem Meter erreichen und es sind meist mehrere Blüten an einer Pflanze zugleich geöffnet.
B.rorida unterscheidet sich deutlich von den anderen Arten: Die Kelchblätter besitzen außen lange Drüsenhärchen, die hellvioletten Blütenblätter sind am Rand deutlich gezahnt, und die jungen Blätter und die Wachstumsspitze der Pflanze sind stark mit sitzenden, tauabsondernden Drüsen besetzt, die der Pflanze ein sehr "tauiges" Aussehen verleihen.(Daher der Name, roridus’ = betaut).
Beutefang und die Beutespektrum dieser beiden Arten ähneln sehr dem der Drosera, nur daß hierbei keine aktive Tentakel- und Blattbewegung stattfindet. Die Beute wird, wie bei Drosophyllum, stark mit Sekret überzogen, also regelrecht "eingeschleimt", vor allem Nachts und bei hoher Luftfeuchte Allerdings ist die Karnivorie dieser Gattung umstritten, Siggi Hartmeyer wies mit seinem Enzymtests keinerlei eigene Verdauungsenzyme bei B.liniflora nach. Laut mündlicher Mitteilung wurde jedoch ein (symbiotischer?) Pilz im Tau von B.liniflora entdeckt, der in der Lage ist, das Chitinskelett der Beuteinsekten zu "knacken". Damit wäre es für die Pflanze ein Leichtes, Nährstoffe aus der "geöffneten" Beute aufzunehmen.(Anmerkung: Wie schafft es der Pilz, sein eigenes Chitinskelett vor Verdauung zu schützen?). Auch B.gigantea besitzt zahlreiche Symbionten, am Naturstandort ist die Pflanze häufig von Wanzen besiedelt (ähnlich wie Roridula in Südafrika). Wanzen der Gattung Setocoris wurden auch auf tropischen Byblis-Arten in Nord-Australien beobachtet.
Kultur:
Byblis gigantea ist sehr selten in Kultur und sollte auch nur Profis überlassen werden.
Im Gegensatz zu den meisten anderen Karnivoren mögen diese Pflanzen es eher trocken.
Byblis liniflora wächst in Sand-Torf-Gemischen oder Sphagnum, während die kräftigere B. gigantea stark sandhaltigen Torf bevorzugt. Das Substrat der B. gigantea im Westen Australiens besteht nämlich meist aus reinem Quarzsand. In Kultur empfehle ich eine Mischung aus normaler Insektivorenerde (Torf/Sand/Perlit oder Bimskies), welcher grober Bimskies oder auch Tongranulat (Seramis) zugegeben wird, um eine lockere Mischung zu erhalten. Der Quarzsand Anteil kann etwas erhöht werden, von reinem Sand ist aufgrund des raschen Austrocknens in der Sonne unbedingt abzuraten!
B. liniflora wird ganzjährig in leichter Anstaubewässerung gehalten und zwar je sonniger desto besser, es bilden sich dann häufig neue Triebe. B. gigantea mag es etwas trockener: Anstaubewässerung vermeiden - eine trockene Ruhepause im Sommer sollte vorgesehen werden. Die Pflanze stirbt oberirdisch ab, treibt dann aber in der feuchten Zeit wieder aus. Ein hoher Topf mit 15 bis 25 cm Durchmesser ist angebracht, darin kann die bis zu 60 cm hohe Pflanze jahrelang gehalten werden.
B. liniflora ist um einiges kleiner - meist 15cm in der Höhe, selten 20cm- und bevorzugt tagsüber Temperaturen von ca. 25°C und nachts 17-20°C. Vorsicht vor Temperaturen von unter 12°C - sie führen zum Absterben der Pflanze. Eine hohe Luftfeuchtigkeit um ca. 70% ist erwünscht. Auch hier ist ein großer Topf (10-15cm im Durchmesser) empfehlenswert.
Wissenswertes zum Thema Vermehrung:
Die Blüten der beiden Byblis Arten wachsen am Ende der Fangblätter.
Die Blüte von Byblis gigantea gibt Pollen nur frei, wenn die hohen Schallwellen eines anfliegenden Insekts es erreichen. Der Vorgang wird in Australien als "Buzz-pollination" bezeichnet. Wer daheim Pollen gewinnen will, kann sich eine Stimmgabel besorgen, oder eine Biene dressieren :-)!
Zum Samenansatz ist meist Kreuzbestäubung nötig. Die Samenkeimung ist oft verzögert. Die Vermehrung über Samen ist bei Byblis liniflora sehr erfolgreich. Es handelt sich um einen Lichtkeimer.
Byblis gigantea ist ein Feuerkeimer, um die Samen zu aktivieren wird eine 24 Stunden Behandlung (quellen lassen) mit Gibberelinsäurelsg. (0,1 % g/v) empfohlen, oder mit Wasser, durch welches Rauch (z.B. am Grill) geleitet wurde.
Quellen:
A.Lowrie & J.G.Conran: "A taxonomic revision of the genus Byblis (Byblidaceae) in northern Australia"; Nuytsia 12 (1) (1998)
A.Lowie "Carnivorous Plants of Australia Vol.3" (1998)
Conran, J.G. & Lowrie,A. "Byblis liniflora ssp. occidentalis, a new subspecies from north-western Australia" Austral. Syst. Bot.
6 (1993)
Barry Meyers-Rice "Byblis -notes on forms new to cultivation" CPN 22 (1993)
Siggi Hartmeyer "Einfache Enzymtests an Karnivoren....." Taublatt und CPN
Siggi Hartmeyer, mündliche Mitteilungen, Videos, etc.....